Sport : Wenn der Rasen nicht mehr brennt

Österreichs Nationalteam steckt in der Krise – nun soll Trainer Brückner gehen

Wien - Für Karel Brückner wird es nun eng. Denn seine Tage als Cheftrainer der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft sind offenbar gezählt. Nach den jüngsten Pleiten in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika steht der 68-jährige Tscheche stark in der Kritik. Altstars wie Hans Krankl fordern den Rauswurf Brückners. Nach Informationen der Wiener Boulevardzeitung „Österreich“ vom Dienstag soll am 7. November, zwölf Tage vor dem freundschaftlichen Länderspiel gegen die Türkei in Wien, auf einem Krisengipfel des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) über Brückners Zukunft entschieden werden.

Nach der 1:1-Blamage auf den Färöer und dem 1:3-Heimdebakel gegen Serbien am vergangenen Mittwoch in Wien hat Brückner die Sympathien in der Öffentlichkeit verspielt. Allein ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, der im Sommer den Tschechen im Alleingang als Nachfolger von Josef Hickersberger verpflichtet hatte, hält noch zu ihm. Doch bei der geplanten ÖFB-Sitzung wird Sticklers Unterstützung allein wohl kaum ausreichen. Denn ohne die zusätzliche Unterstützung der Landesverbands-Präsidenten wird Stickler den Cheftrainer kaum retten können.

Doch weil Brückner trotz seines Trainerjobs in Österreich weiterhin im tschechischen Olomouc wohnt, ist er besonders umstritten. So wird ihm vor allem vorgeworfen, dass er sich außerhalb der Länderspiele nicht ausreichend um das ÖFB-Team kümmert. „Brückner hat das ÖFB-Gebäude noch nicht von innen gesehen. Ich finde es unerhört, dass er nach so einem Spiel wie gegen Serbien einfach nichts sagt und nach Olmütz fährt“, wetterte Tirols Landeschef Josef Geisler im Wiener „Kurier“.

Dass Karel Brückner in erster Linie durch Abwesenheit glänzt, wird auch von den Klubs in der Bundesliga kritisiert. „Ein Teamchef muss ganz einfach im Land sein“, meinte Sportchef Heribert Weber von Admira Wien. „Es findet keine Kommunikation statt“, sagte auch Karl Daxbacher, Trainer von Austria. Hans Krankl – Siegtorschütze gegen Deutschland beim „Wunder von Cordoba“ 1978 bei der WM in Argentinien – schlug nun angesichts des drohenden Aus in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 Alarm.

„Der ÖFB hat Brückner als Wundertrainer verkauft, aber das ist er nicht“, sagte Krankl in einer Fernseh-Talkrunde am vergangenen Sonntag: „Da passt nichts zusammen. Bei der Euro ist wenigstens das Bemühen zu erkennen gewesen. Da hat der Rasen gebrannt. Jetzt brennt nichts mehr.“ Der ehemalige Torjäger griff auch den ÖFB an: „Dort ist alles eingerostet und alt. Die Funktionäre halten sich gegenseitig fest, da gehören viele ausgewechselt.“ dpa

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