Sport : Wenn der Samstag kommt: Für die Fans in Südostasien

Mike Ticher

Für die englische Premier League ist das Fernsehen so etwas wie ein Goldesel gewesen, der die Liga seit ihrer Gründung 1992 versorgte. Über Satellit transportierten die Sender die Spiele der Meisterschaft zu den Fans nach Hause - natürlich nur zu denen, die bereit waren, dafür auch zu zahlen. Es sind wiederum Einnahmen aus dem Fernsehen, die Englands Klubs mit so viel Geld versorgten, dass das Land viele europäische Topspieler anzog - einige von ihnen sind sogar unter 30. Der Fußball hat in England Rupert Murdochs Satellitensender Sky gerettet - obwohl einige auch argumentieren, Sky-TV habe den Fußball gerettet.

In der vergangenen Woche gab es täglich Live-Spiele mit englischen Mannschaften im Fernsehen, dazu unzählige Zusammenfassungen. Die echten Fans können nun auch ausgewählte Spiele aus den unteren Ligen entweder über Satellit oder Pay-per-View sehen. Sky-TV bietet mit einer wöchentlichen Zusammenfassung die Conference-Spiele an. Dabei handelt es sich um Klubs jener Ligen, die in der englischen Hierarchie auf den Plätzen 93 bis 114 rangieren. Alle diese Programme beinhalten dabei noch nicht einmal die Fülle von ausländischem Fußball - und ebenso wenig die schottischen Spiele, die Champions League, den Uefa-Cup sowie die englischen Pokalspiele, die sich alle in irgendeinem Sender wiederfinden.

Dazu wird der Fan geplagt von immer mehr verschiedenen Sendern, die unzählige Kombinationen von allen denkbaren Fußball-Paketen anbieten. Im Hintergrund lauert noch das Internet. Hier haben sich die großen Klubs die Rechte gesichert, um ihre Spiele übertragen zu können - zurzeit noch mit einer Verzögerung von einem Tag. Das ist vor allem für jene Vereine nützlich, die in jeder südostasiatischen Stadt mehr Fans haben als im eigenen Stadion. Vor kurzem wurde ein Liga-Cupspiel im Pay-TV übertragen, doch am Fernseher saßen weniger Zuschauer als im Stadion. Das Spiel fand vor 3363 Fans statt. Es sieht so aus, als ob die Masse des Fußballs im TV-Angebot eher eine Abneigung zur Folge hat.

Zur Leserschaft von "When Saturday Comes" mag nicht der typische englische Fußballfan gehören, dennoch ist eine Umfrage unter den Lesern interessant. 14 Prozent sagten, die Masse der Spiele im Fernsehen habe sie eher etwas vom Fußball abgebracht. 34 Prozent gaben zu, dass der Umfang, den sie im Fernsehen konsumieren "so hoch ist, dass er mir nicht gut tut". Es scheint klar, dass, abgesehen von Ausnahmen wie Englands Sieg gegen Deutschland, Fußball im Fernsehen nicht mehr länger die kollektive, kommunale Erfahrung ist. Sogar das Cupfinale, früher ein absolutes Muss, sahen dieses Jahr nur 73 Prozent der Fernsehzuschauer.

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