Sport : Wenn der Samstag kommt: Wir holen den UI-Cup!

Mike Ticher

Fußball und Pop sind die wichtigsten Themen in Fanzines, den kleinen magazinen von Fans für Fans. "When Saturday comes" (WSC) aus London ist ein Veteran dieser Szene. An jedem vierten Samstag im Monat schreiben WSC-Redakteure für uns über Fußball auf der Insel.

Man könnte meinen, dass Engländer im Sommer nichts Besseres zu tun haben. Warum sonst zog Aston Villas UI-Cup-Drittrundenrückspiel gegen Croatia Slaven Belupo mehr als 27 000 Zuschauer an? Noch einmal 2000 mehr sahen Newcastle United gegen Lokeren, obwohl nach einem 4:0 im Hinspiel in Belgien sowieso nichts mehr passieren konnte.

Zugegeben, es war kein guter Sommer für den englischen Sport. Wie üblich versagte Tim Henman in Wimbledon. David Millar stürzte schon auf der ersten Etappe der Tour de France, David Coulthard blieb in der ersten Runde in Silverstone liegen. Bei den British Open ließ Bernhard Langer sämtliche britische Golfer hinter sich. Und dann wären da noch die typisch britischen Sportarten. Rugby: England verlor in Australien. Cricket: ... Glauben Sie mir, es ist besser, wenn ich Sie damit nicht behellige.

Doch all das reicht nicht als Erklärung für den UI-Cup-Enthusiasmus der Fans zweier Vereine, die sich zuvor mit einer schwachen Saison unbeliebt gemacht haben. Newcastle etwa schaffte als Elfter der Premier League nur den Sprung in den UI-Cup, weil die spanischen Mannschaften auf eine Teilnahme verzichteten. Und früher nahm sowieso niemand diesen Wettbewerb ernst. Als englische Mannschaften 1995 erstmals mitmachten, trat Tottenham mit einer zweiten Mannschaft an, die 0:8 gegen Köln verlor. Jetzt rechnet Newcastle mit Rekordbesuch, wenn 1860 München am Mittwoch zum Halbfinalrückspiel antritt.

Die Klubs selbst sind immer noch nicht recht überzeugt. Aston Villas Trainer John Gregory hat sich gegen eine Teilnahme ausgesprochen: "Ich bin kein Fan des UI-Cups, und ich spiele dort nur ungern." Warum also denken die Fußballfans anders? Es scheint, dass sie mit dem Wettbewerb ein diffuses Gefühl von "Europa", von internationalem Fußball, verbinden. Fans von Vereinen wie Newcastle und Aston Villa meinen, dass es für ihr Prestige und die wirtschaftliche Zukunft ihres Klubs wichtig ist, auf europäischer Ebene zu spielen. Die großen Zeiten beider Klubs liegen weit zurück. Doch ihre Fans meinen, dass sie Besseres verdient haben. Newcastle vor allem gibt dauernd damit an, die fanatischsten Fans im ganzen Land zu haben.

Beide Klubs haben gerade ihre Stadien ausgebaut: Der St. James Park in Newcastle fasst nun 55 000 Zuschauer, der Villa Park immerhin 43 000. Doch bei beiden Klubs gab es zuletzt Befürchtungen, dass sie die neuen Arenen nicht füllen können. Im Villa Park blieben schon in der letzten Saison allzu viele Plätze leer. In Newcastle schlugen sich die schlechten Leistungen noch nicht in Zahlen nieder, doch der legendäre Fanatismus scheint sich auch dort abzukühlen.

Gerade für solche Vereine hat der UI-Cup sehr wohl eine Bedeutung. Die vage Chance, in den Uefa-Cup zu kommen, ist nicht nur wegen der zusätzlichen Einnahmen wichtig, sondern auch für das Profil solcher Klubs. Sie zeigen sich im Fernsehen und beweisen ihren Fans, dass sie den Ehrgeiz haben, sich mit den Großen des europäischen Fußballs zu messen. Die Fans glauben das offenbar auch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben