Sport : Wenn der Schmerz nachlässt

Lapaczinski war Stammspieler bei Hertha – bis der Knöchel brach

Stefan Hermanns

Berlin. Wenn Denis Lapaczinski bei sich zu Hause auf der Couch liegt und nach dem Training die Beine ausstreckt, bietet sich ihm ein seltsamer Anblick. Sein rechter Fuß steht ein wenig weiter ab als der linke, er lässt sich nicht ganz strecken, und das wird wohl auch noch eine Zeitlang so bleiben. „Das sieht ganz witzig aus“, sagt Denis Lapaczinski.

Richtig witzig ist die Geschichte natürlich nicht, die den Fußballprofi von Hertha BSC seit neun Monaten beschäftigt. Am 9. April ist es passiert. Im Training wollte Lapaczinski seinen Fuß in die Flugbahn des Balles bringen, dabei blieb er im Rasen hängen. Er hörte, wie es krachte, und zuerst hat er gedacht: „Das ist nicht mein Fuß.“ Er hat keine Schmerzen gespürt, obwohl der Knöchel zertrümmert war. Lapaczinski glaubt, dass das der Schock war. „In einem kurzen Moment geht einem alles durch den Kopf“, sagt er. „Es ist aus. Das ist das Karriereende.“

Denis Lapaczinski war 21, als er sich den Knöchel brach, gerade mal 13 Bundesligaspiele hatte er für Hertha bestritten. 2002 hätte sein Jahr werden können. Er war im Sommer zuvor mit dem Ruf nach Berlin gekommen, ein außerordentliches Talent zu sein. Doch Lapaczinski hatte anfangs „zu viel Respekt vor den großen Namen“, er war eben immer noch „der kleine Denis aus Reutlingen“. In der Vorbereitung auf die Rückrunde hat er die Scheu abgelegt, sich an die Mannschaft herangearbeitet, und als Falko Götz Trainer wurde, machte er Lapaczinski zum Stammspieler. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt der Abwehrspieler über das Jahr 2002. „Eigentlich war es nur erfolgreich: Ich hab’ kein Spiel verloren.“ Nur den Anschluss, den hatte er zeitweise verloren.

Inzwischen trainiert Lapaczinski wieder mit der Mannschaft, die Schmerzen sind weg, und sie kommen auch nach den Trainingsbelastungen nicht wieder zurück. Lapaczinski merkt, dass seine Übervorsicht langsam aus dem Kopf verschwindet. Er sagt, er brauche noch ein paar Schlüsselszenen, einen Pressschlag zum Beispiel, „damit ich merke, dass gar nichts passiert“. Sein Gemütszustand jedenfalls ist zuversichtlich. „Mich kann einfach nicht mehr so viel erschüttern“, sagt Lapaczinski. Dass er zum ersten Mal im Krankenhaus lag, zum ersten Mal operiert wurde, hält er heute für „ein interessantes Erlebnis“.

Anfang Dezember ist er noch einmal operiert worden. Sieben Schrauben und eine Stahlplatte wurden ihm aus dem Fuß entfernt. Eigentlich war der Eingriff erst für die Winterpause geplant gewesen, doch weil die Schmerzen nicht weggingen, wurde die Operation vorgezogen. Es war wie eine lästige Angelegenheit, die man noch schnell im alten Jahr erledigt, damit man sich im neuen nicht mehr mit ihr beschäftigen muss.

„Jetzt oder nie“, sagt Lapaczinski. Die Konkurrenz ist nicht kleiner geworden, nachdem mit Arne Friedrich ein neuer Verteidiger nach Berlin gekommen ist. Dessen Werdegang ähnelt dem von Lapaczinski in vielem – und unterscheidet sich doch in einem wichtigen Punkt. Beide gelten als große Talente, und beide spielten zuvor in der Zweiten Liga. Doch Friedrich brauchte bei Hertha überhaupt keine Eingewöhnungszeit. Lapaczinski sagt, es sei unglaublich, mit welchem Selbstbewusstsein Friedrich von Anfang an aufgetreten sei.

Denis Lapaczinski hat sich das Vertrauen in die eigene Stärke erst langsam angeeignet. Heute sagt er sich: „Du kannst es. Du bist nicht schlechter als die anderen.“ Außerdem hat er das Gefühl, dass Trainer Huub Stevens auf ihn setzt. Anfang Oktober, als er sich erstmals wieder an die Mannschaft herangearbeitet hatte, wurde er im Uefa-Cup gegen Aberdeen eingewechselt. Es stand noch 0:0, und wenn die Schotten ein Tor geschossen hätten, wäre Hertha aus dem Wettbewerb ausgeschieden. „Ich war bestimmt nicht hundertprozentig fit“, sagt Denis Lapaczinski, „und trotzdem hat der Trainer mich einem Alexander Madlung vorgezogen. Das ist nicht selbstverständlich.“ Vor allem war es ein gutes Zeichen für ihn.

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