Sport : Wenn der Spaß nachlässt

Aus Geldmangel reduziert Fußball-Oberligist Tennis Borussia sein Personal

Karsten Doneck

Berlin - Peter Antony schwebt eine „ruhige, saubere Trennung“ vor. Dass Fußball-Oberligist Tennis Borussia und sein Sportchef Ronald Maschke in Kürze ihre Zusammenarbeit beenden, ist längst beschlossene Sache. Nur das Wie muss noch abschließend geklärt werden. Maschke behauptet, „seit sechs Monaten ohne Bezahlung zu sein“, und Antony, der TeBe-Vorsitzende, gibt zu: „Wir stehen bei ihm noch in der Kreide.“ Die Einstellung eines neuen Sportchefs planen die Borussen nicht. Auch der Posten des vor kurzem entlassenen Kotrainers Marko Maschke, Bruder des Sportchefs, bleibt unbesetzt, Cheftrainer Dejan Raickovic muss künftig alleine zurechtkommen. Aber für Raickovic wird die Arbeit auch übersichtlicher, denn TeBe dünnt seinen Kader für die Rückrunde aus. Der Grund für den Personalabbau ist ein ganz einfacher: An allen Ecken und Enden fehlt das Geld.

TeBe kalkulierte für die laufende Saison mit einem Etat von 350 000 Euro. Die Verträge mit den Sponsoren haben nur einen Haken: Sie sind stark erfolgsabhängig. Aber die Mannschaft erfüllte die hohen Erwartungen nicht annähernd, dümpelte lange Zeit im Mittelfeld der Tabelle, und auch darunter, herum, ehe sie sich bis zur Winterpause allmählich aufrappelte und nun Platz drei belegt, allerdings bereits mit zwölf Punkten Abstand zu Spitzenreiter Babelsberg 03. Für einen Großteil der Sponsoren besteht nur dann Zahlungspflicht, wenn TeBe Tabellenerster ist. Eine etwas verwegene Etatplanung, die prompt dazu geführt hat, dass dem Verein jetzt bei Saison-Halbzeit eine sechsstellige Summe zur Deckung aller Kosten fehlt.

Für Antony, Hotelier von Beruf, sind die Finanzprobleme bei TeBe nicht nur hausgemacht. „Wir spielen in einer ost-subventionierten Liga“, schimpft der Vorstandsvorsitzende. Und führt Beispiele an. Als der MSV Neuruppin vor wenigen Jahren die dominierende Rolle in der Oberliga spielte, seien die Stadtwerke der potenteste Geldgeber des Klubs gewesen. Und auch beim aktuellen Spitzenreiter Babelsberg 03 steuern unter anderen die Stadtwerke Potsdam öffentliches Geld zum Vereinshaushalt bei. „Die kassieren öffentliche Gelder, und wir sind die Deppen“, klagt Antony. In Berlin erhalten zwar Bundesligisten wie Hertha BSC im Fußball, der EHC Eisbären im Eishockey und Alba im Basketball Unterstützung aus öffentlicher Hand, die Fußball-Viertligisten aber gehen leer aus. Antony zeigt dafür sogar Verständnis: „Die müssten ja bei uns in der Stadt sieben Oberligisten, von Yesilyurt und Türkiyemspor über BFC Preussen bis hin zu uns, fördern, alle nach dem gleichen Prinzip. Das geht natürlich nicht.“

Ohnehin ist TeBe das Oberligadasein langsam leid. In sentimentalen Momenten plagen Peter Antony auch schon mal Rückzugsgedanken. „Es macht keinen Spaß, wenn wir bei unseren Auswärtsspielen im Osten dauernd als Judenpack oder als Westberliner Scheiße angepöbelt werden. Da verliert man die Lust“, sagt er. „Vielleicht sollten wir uns besser in die Verbandsliga verabschieden.“

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