Sport : Wenn der Spielervermittler klingelt

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Von Benedikt Voigt

Berlin. Es ist in diesen Tagen nicht einfach, mit Marco Baldi zu sprechen. „Können Sie in zehn Minuten noch einmal auf einer anderen Nummer anrufen?“, fragt der Vizepräsident von Alba Berlin und gibt seine Büronummer durch. Dort ist später besetzt. Beim nächsten Versuch hebt der Basketball-Manager zwar ab, doch sogleich klingelt im Hintergrund ein weiteres seiner drei Telefone. Baldi sagt: „Das lassen wir jetzt klingeln.“

Es geht turbulent zu im Hause Baldi. Vier Tage nach dem sechsten deutschen Meistertitel muss der Vizepräsident mit Spielern, Spielervermittlern, Journalisten und Sponsoren über die nächste Saison sprechen. Der Etat ist auch ein Thema. Doch die Lage ist nicht so dramatisch, wie es eine Meldung suggeriert, wonach der Pokalsieger und Deutsche Meister 2002 in der kommenden Saison seinen 5,5-Millionen-Euro-Etat um 900 000 Euro reduzieren müsse. Baldi sagt: „Das sind Halbwahrheiten.“

Es stimmt, dass der Klub nicht weiß, wie viel Geld in der kommenden Saison zur Verfügung stehen wird. Schuld daran ist die Euroleague, die erst am 14. Juni die Neuverteilung der Gelder beschließt. „Wir gehen davon aus, dass die Summe reduziert wird“, sagt Baldi. Die Euroleague konnte zuletzt das Geld nicht refinanzieren, dass sie den Vereinen garantiert hatte. In Griechenland kam beispielsweise der erhoffte Fernsehvertrag nicht zu Stande. Nun verhandelt die Liga die Summen der 24 Vereine für das kommende Jahr neu. „Klar ist, dass die Vereine deutliche Abschläge hinnehmen müssen.“

Das Geld der Euroleague für die abgelaufene Saison sei eingetroffen, versichert Baldi. Nun fehlt die Summe, die Alba aus dem Kirch-Vertrag der Basketball-Bundesliga erhält– rund 100 000 Euro. Doch von einer dramatischen Situation kann nicht die Rede sein. Baldi sagt: „Das kennen wir schon aus vergangenen Jahren.“ Nun hänge es von Alba ab, vorsichtig zu kalkulieren. Ein taktisches Mittel, um in den Verhandlungen mit Spielern nicht so viel zahlen zu müssen, seien die Meldungen über Etatprobleme nicht. „So etwas brauchen wir nicht“, sagt Baldi.

Der Vizepräsident stellt nun das neue Team zusammen. „In einer ersten Runde sprechen wir mit den Spielern, um die Interessen abzuklären, in einer zweiten Runde geht es dann um das Finanzielle.“ Gegenwärtig läuft die erste Runde. Auch mit Dejan Koturovic wird gesprochen. Der Centerspieler hatte gegenüber einem Journalisten geäußert, dass er eine neue Herausforderung suche. Baldi möchte das nicht überbewerten. „Wir unterhalten uns nicht über Dritte mit ihm.“ Koturovic, der unmittelbar nach der Meisterschaft zur Beerdigung seines Vaters nach Belgrad reiste, kehrt demnächst nach Berlin zurück.

Weiter verfolgt Alba das Ziel, einmal in Europa das Final Four zu erreichen. Dazu muss der Etat aber auch auf neun bis zehn Millionen Euro steigen. „Natürlich ist das ein Ziel“, sagt Baldi, „aber wir müssen das Schritt für Schritt tun.“ Man müsse aber realistisch bleiben. Während die Basketballer des FC Barcelona von ihren Fußballern leben oder Panathinaikos von seinem reichen Präsidenten, bleibt Alba nur eine Geldquelle: der Markt.

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