Sport : Wenn der Star zum Problemfall wird

Sergej Barbarez gerät beim HSV immer stärker in die Kritik

Karsten Doneck

Hamburg. Die Unzufriedenheit war früh spürbar. Sie entlud sich Mitte der zweiten Halbzeit zunächst in gellenden Pfiffen, und als der Spieler mit der Nummer 10 dann wieder einen ganz einfachen Ball leichtfertig in die Beine des Gegners schob, da platzte den eingefleischten Fans, die die Spiele ihrer Mannschaft von der Nordtribüne aus verfolgen, endgültig der Kragen. Deutlich wahrnehmbar hallte der Chor durchs Stadion: „Bar-ba-rez – raus!“ Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat aktuell nicht nur das Problem, sportlich einigermaßen die Balance zu halten, der Verein muss sich obendrein gegenüber den eigenen Anhänger auch für die Aufstellung eines Spielers rechtfertigen, der eigentlich der Mannschaft aus der Krise helfen könnte, aber derzeit weit neben den Fußballschuhen steht: Sergej Barbarez, 32 Jahre alt, in seiner ersten Saison beim HSV mit 22 Treffern noch der gefeierte Bundesliga-Torschützenkönig (zusammen mit Ebbe Sand).

Nach dem 2:1-Sieg in der ersten Uefa-Pokal-Runde gegen Dnjepr Dnjepropetrowsk stapfte Barbarez nach den Schmähungen des Publikums wütend und wortlos in die Kabine der AOL-Arena. Seine ganze Haltung signalisierte: Ihr könnt mich alle mal, sollen andere doch reden. Zum Beispiel Dietmar Beiersdorfer. Dem HSV-Sportchef, zu den Unmutsäußerungen der Zuschauer gegen Barbarez befragt, fiel aber auch nicht allzu viel zu diesem Thema ein. „Was soll ich dazu sagen?“ fragte Beiersdorfer lediglich zurück.

Barbarez genießt beim HSV den Status eines Stars. Zwei Millionen Euro soll der Bosnier angeblich per anno verdienen, er ist damit der am besten bezahlte Profi im Kader der Hamburger. Nur leistungsmäßig hat er nachgelassen, und zwar kräftig. In den letzten Spielen des HSV fiel er meist nur noch dadurch auf, dass er sich mit den Schiedsrichtern auf heftige Wortduelle einließ. Torgefahr geht von ihm kaum noch aus. Trotzdem behandeln sie ihn beim HSV, wie Dietmar Beiersdorfer, recht pfleglich. Barbarez gilt auch außerhalb des Rasenrechtecks als exzentrisch. Ihn jetzt von Vereinsseite aus zu kritisieren, könnte eine harte Reaktion von Barbarez heraufbeschwören – und damit eine Menge Ärger. Und solchen Ärger kann der HSV angesichts seiner misslichen Tabellenlage in der Bundesliga und vor dem wichtigen Spiel am Sonntag bei Hertha BSC nun wirklich nicht brauchen.

Also behandelt auch Trainer Kurt Jara das Thema Barbarez eher sanftmütig und nachsichtig. „Er hat auf die Missfallensäußerungen der Zuschauer mit der Flanke zu Romeo geantwortet“, sagte Jara. Jene Flanke verwetete der Argentinier Romeo zum 2:1-Siegtreffer gegen Dnjepropetrowski, immerhin. Die Variante Flanke Barbarez, Tor Romeo hatte schon fünf Tage zuvor im Bundesligaspiel gegen Hansa Rostock bestens funktioniert. Damals bedeutete Romeos Treffer das 1:1, der HSV siegte auch da mit 2:1.

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