Sport : Wenn der Zorn verraucht ist

Aleksandar Ristic trifft heute als Trainer des 1. FC Union auf seinen früheren Klub RW Oberhausen, seine Emotionen halten sich dabei in Grenzen

Karsten Doneck

Berlin. An Selbstbewusstsein hat es ihm noch nie gemangelt. „Weisweiler und Happel sind tot, und Hitzfeld ist bei Bayern München“, hat Aleksandar Ristic während seiner Zeit als Trainer von RW Oberhausen mal festgestellt und daraus dann seine persönliche Schlussfolgerung gezogen: „Also hat RWO den besten Trainer, den man kriegen kann.“ Derart starke Sprüche – gar nicht mal überheblich gemeint, sondern eher mit einem Augenzwinkern dahingeplappert – haben Aleksandar Ristic nicht vor dem Schicksal bewahrt, das erfolglosen Trainern häufiger widerfährt: Er wurde am 21. April des vorigen Jahres in Oberhausen entlassen.

Ristic gilt als erfahrener Mann, als Retter in der Not. So war es kein Wunder, dass er unlängst beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten 1. FC Union eine neue Anstellung fand. Sein Vertrag erstreckt sich über nur neun Spiele bis Saisonende. Und wie das so ist: Heute (15 Uhr, Stadion Alte Försterei) trifft Ristic mit seiner neuen Mannschaft auf seinen alten Klub. Union gegen Oberhausen – das ist für Ristic nichts Besonderes. Den Seitenwechsel hat der 59-Jährige längst vollzogen. „Wir brauchen unbedingt die drei Punkte, wenn wir noch weiter mit dem Klassenerhalt rechnen wollen“, sagt er.

Vergessen sind alle Reibereien, die die Zusammenarbeit zwischen Ristic und Oberhausens Präsident Hermann Schulz so kräftig störten, dass die Trennung unausweichlich wurde. Der Trainer gibt sich daran auch eine Mitschuld. „Ich bin kein einfacher Trainer. Ich bin unbequem, gerade auch gegenüber Präsidenten“, urteilt Ristic über sich selbst. Aber derlei Widerspenstigkeit erfüllt auch einen Zweck. Ristic sagt: „Ich will mit meiner Mannschaft etwas erreichen und bin nun mal verantwortlich für den fußballerischen Bereich.“ Er hört sich zwar geduldig alle möglichen Vorschläge zu Trainingsformen, Taktik und Aufstellung an, lässt auch häufiger mal die Spieler ihre Meinung dazu vertreten, aber „zuletzt entscheide immer noch ich“.

In Oberhausen wurde wegen Ristic sogar schon mal der Druck der Stadionzeitung gestoppt. „Dem Präsidenten hat da eine Kolumne von mir nicht gefallen“, sagt Aleksandar Ristc. Was er da Verwerfliches geschrieben hatte, das verschweigt er. Dazu hat er mit seiner Vergangenheit bei RWO auch schon viel zu sehr abgeschlossen. Jetzt noch nachzukarten, das ist nicht sein Stil.

Im Gegenteil. Aleksandar Ristic schlägt sogar sehr versöhnliche Töne gegenüber seinem früheren Arbeitgeber an. „Die haben eine starke Saison gespielt, können auf eine starke Abwehr vertrauen und kontern sehr gefährlich“, sagt der Union-Trainer. Doch bange ist ihm vor RWO deshalb nicht. „Wir müssen etwas riskieren, dürfen aber dabei nicht blind nach vorn rennen“, sagt er.

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