Sport : Wenn die erste Runde die letzte ist

Hertha BSC hat sich im Pokal oft blamiert – und morgen wartet TuS Koblenz

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Es läuft die 80. Spielminute im Stadion an der Hamburger Straße in Braunschweig. In der zweiten Runde des DFB-Pokals zwischen dem Fußball-Bundesligisten Hertha BSC und dem Regionalligisten Eintracht Braunschweig steht es 2:2. Der Ball fliegt hoch in den Strafraum. Herthas Alexander Madlung köpft ihn mit Wucht ins Tor – eigentlich ein schöner Treffer. Nur, dass Herthas Verteidiger den Ball ins eigene Tor lenkte. Hertha verlor 2:3 und schied, wie so oft, schon früh aus dem DFB-Pokal aus.

Madlungs Aktion aus der vergangenen Saison steht exemplarisch für die Bemühungen seines Klubs im DFB-Pokal insgesamt. Sie sind geprägt von Missgeschicken. Seit der Gründung der Bundesliga 1963 flog Hertha allein zehn Mal in der ersten Runde aus dem Wettbewerb und hat den Pokal noch nie gewonnen. Zuletzt standen die Profis 1979 im Finale, die Amateure 1993. Häufig blamierten sich die Berliner mit Niederlagen gegen Mannschaften, die in Ligen weit unter Hertha spielten. Morgen tritt der Bundesligist beim Regionalligisten TuS Koblenz an. „Dieses Mal sind wir richtig heiß“, sagt Alexander Madlung, dessen Einsatz wegen Knieproblemen fraglich ist. „So etwas wie im letzten Jahr wird uns nicht noch einmal passieren.“ An seinen Fehler im Spiel gegen Braunschweig denkt er nicht mehr: „Das habe ich abgehakt.“ Herthas schwache Auftritte im DFB-Pokal in den vergangenen Jahren werden innerhalb der Mannschaft aber noch diskutiert. Denn auch der vor dieser Saison geholte Ellery Cairo kennt die Problematik bereits: „Davon habe ich schon ein paar Mal gehört“, sagt der 27-Jährige.

Erklären kann bei Hertha allerdings niemand, weshalb die Mannschaft im DFB-Pokal meist besonders schwach abschneidet. „An der Einstellung und der Vorbereitung vor diesen Spielen kann es nicht gelegen haben“, sagt Trainer Falko Götz. „Das war immer in Ordnung.“ Folglich lag es an der Einstellung auf dem Feld.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Berliner vor dem Spiel in Koblenz nicht: „Wir hauen die weg“, sagt Mittelfeldspieler Andreas Neuendorf. „Als Bundesligist ist das doch selbstverständlich“, sagt Madlung. Möglicherweise ist genau diese angenommene Selbstverständlichkeit Herthas Problem. Die Mannschaft wirkte in den Spielen im DFB-Pokal oftmals lustlos und unmotiviert – vielleicht weil sie ihre Gegner nicht ernst genug nahm. So verlor Hertha zum Beispiel im September 2002 1:4 in der ersten Runde gegen Holstein Kiel und im Oktober 1998 im Achtelfinale 2:4 gegen Tennis Borussia.

„Wir haben genug negative Erfahrungen in unserer Geschichte gemacht“, sagt Götz. Der Trainer will die Begegnung in Koblenz „genauso wichtig nehmen wie ein Bundesligaspiel.“ Beobachtet hat er den Gegner bereits: „Die sind sehr kopfballstark.“ Seinen kopfballstarken Verteidiger Josip Simunic wird er deshalb möglicherweise vermissen. Der Kroate kann wegen einer Prellung an der Wade, die er sich im Länderspiel gegen Brasilien (1:1) zugezogen hat, nicht mitspielen. Auch Stürmer Artur Wichniarek wird wegen einer Prellung am Zeh nicht dabei sein.

„In unseren Etat haben wir nur die Einnahmen aus der ersten Runde eingerechnet“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Das habe allerdings nichts mit den sportlichen Hoffnungen der Berliner zu tun. „Das ist Teil unserer konservativen Planung.“

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