Sport : Wenn die Falschen profitieren

Die WM offenbarte die Schwachstellen des deutschen Eiskunstlaufs

Frank Bachner

Berlin - Stefan Lindemann muss sich keine Sorgen machen, seinen Mini-Cooper hat er schon. Das Geschenk eines Erfurter Autohauses, Belohnung für die Bronzemedaille bei der Eiskunstlauf-WM 2004. Jetzt, nach der WM 2005, wird er bestimmt keine Belohnung bekommen, nicht nach dem enttäuschenden zwölften Platz. „Damit kann man nicht zufrieden sein. Aber es war eine ganz wichtige Erfahrung. Besser, sie passiert jetzt als im olympischen Winter“, sagt Reinhard Mirmseker, der Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Können die Funktionäre überhaupt mit irgendetwas zufrieden sein nach dieser WM? Elf Monate vor den Olympischen Spielen in Turin? Lindemann nur Zwölfter, Silvio Smalun nicht mal im Finale, Annette Dytrt nur 15., und die hochgelobten Eiskunstläufer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy auf Platz sechs. Ist die ganze Aufbruchstimmung nach den beiden Bronzemedaillen von Dortmund vom vergangenen Jahr schon wieder verflogen?

Im Kern ist eigentlich nicht viel passiert. Die Leistungsträger haben ihren Stellenwert nicht groß eingebüßt, die bisherigen Problemfälle sind Problemfälle geblieben. Nur wer die Erfolge von Dortmund überwertet hat, ist wirklich enttäuscht von der Moskauer Bilanz. Lindemann hat zwar eine katastrophale Kurzkür geliefert, aber dann, in der Kür, wurde seine Kombination aus Vierfach- und Dreifach-Looping mit 14,14 Punkten bewertet, kein anderer Läufer erhielt so eine hohe Wertung für dieses Element. Auch nach Moskau gilt: Kein Preisrichter kann ihn richtig einschätzen. Er war WM-Dritter, EM-Dritter, aber zeigte zugleich auch schwache Leistungen.

Und Sawtschenko/Szolkowy sind zweifellos eine Bereicherung für den deutschen Eiskunstlauf. In Moskau wurden sie nach Expertenmeinung zu schlecht bewertet. Sawtschenko/Szolkowy gehören zum Kern der DEU-Zukunftsplanung. Die setzt voll auf den Paarlauf, weil dort die größte Chance besteht, bald nach oben zu kommen. Der Verband hat ja noch das lange verletzte Paar Kierkgaard/Jeschke.

Die DEU investiert viel Geld, damit ihre Spitzenläufer bei ausländischen Top-Trainern arbeiten können. Das, sagen alle Experten, ist der richtige Weg. Nur ist diese Unterstützung ziemlich sinnlos, wenn sie Athleten wie Annette Dyrtet erhalten. Die Münchnerin übte in den USA, gab aber in Moskau zu, „dass ich in der Saisonvorbereitung zu faul war“. Sie ist mental genauso limitiert wie Smalun. Aber hinter ihnen stehen Talente, die in drei, vier Jahren für bemerkenswerte Leistungen sorgen könnten.

In Turin, heißt das, darf man keine Medaillen erwarten. Aber mit Lindemann und Sawtschenko/Szolkowy gibt es Athleten, die zumindest in den Medaillenbereich laufen können. Allerdings gibt es da noch ein kleines Problem: Die 21-jährige Ukrainerin Sawtschenko hat bisher noch keinen deutschen Pass. Ohne den darf sie zwar bei der WM starten, nicht aber bei den Olympischen Spielen.

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