Sport : Wenn die Finger kribbeln

Die SCC-Volleyballer träumen vom Weiterkommen in der Champions League

Karsten Doneck

Berlin - Ein bisschen Geheimniskrämerei muss sein. Es ist zwar durchaus üblich unter Volleyball-Klubs, dass zum Zwecke des Studiums der Gegner Videomaterial untereinander getauscht wird. Aber dabei bleiben kleine Tricks nicht aus. So forderte der SC Charlottenburg vor dem Champions-League-Auftakt heute (19 Uhr, Sömmeringhalle) gegen Frankreichs Meister Tours VB ein Video vom Gegner an. Am Montag dieser Woche ging die Lieferung aus Frankreich ab. Der Zeitpunkt, an dem das Päckchen eintreffen wird, ist noch ungewiss. „Die Mannschaft aus Tours ist am Montag schon angereist. Die hätten das Video einfach mitbringen können“, sagt Geschäftsführer Günter Trotz.

Ganz unvorbereitet tritt der SCC nun aber doch nicht an. Trainer Mirko Cul hat sich einfach ein Video von einem nationalen Meisterschaftsspiel der Franzosen besorgt. „Die sind eingespielt, sehr kompakt, und sie haben drei starke Außenangreifer“, sagt der Trainer. Dass der SCC in der Saisonvorbereitung selbst mal gegen Tours gespielt und 2:3 verloren hat, gilt nicht als Maßstab. Zu sehr wurde auf beiden Seiten experimentiert.

Die Champions-League-Teilnahme kostet die Charlottenburger mit Startgebühr und Reisekosten knapp 90 000 Euro – auch eine Art Lehrgeld. Früher hat sich aus Deutschland allein der VfB Friedrichshafen für den höchsten europäischen Wettbewerb qualifiziert. SCC-Angreifer Marco Liefke sagt: „Wir haben uns immer gewundert, wieso wir in der Bundesliga gegen Friedrichshafen zwar meistens gut mitgehalten haben, die am Ende dann doch immer Meister geworden sind.“ Seine Schlussfolgerung: „Das lag sicher auch daran, dass der VfB in der Champions League enorm dazugelernt hat.“ Nun startet der SCC selbst zum dritten Mal hintereinander in der Champions League, in der Bundesliga befindet er sich mit dem einst übermächtigen VfB Friedrichshafen mittlerweile auf Augenhöhe.

Das Reglement in der Champions League macht es möglich, dass der SCC sogar von einem Weiterkommen träumen darf. Aus der Fünfergruppe, zu der noch Sibley Treviso (Italien), Unijahr Almeria (Spanien) und HT Innsbruck zählen, erreichen die ersten drei Teams die nächste Runde. Dass der SCC sein Potenzial in dieser Saison in der Bundesliga noch nicht ausgeschöpft hat, wirkt bei solch ehrgeizigen Vorhaben keineswegs beunruhigend. Manager Kaweh Niroomand sagt: „Wenn unsere Spieler nur an die Champions League denken, spüren die doch schon so ein unheimliches Kribbeln in den Fingern.“

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