Sport : Wenn die Gegner um ein Foto bitten

Die 15-jährige Antonia Lottner gilt als große Hoffnung im deutschen Tennis – beim Turnier in Berlin will sie einen weiteren Schritt nach vorn machen.

Kevin Maaß/Arne Draheim
Sie baut auf Sand. Antonia Lottner setzt auf eine Karriere als Tennisprofi. Foto: p-a
Sie baut auf Sand. Antonia Lottner setzt auf eine Karriere als Tennisprofi. Foto: p-aFoto: picture alliance / Jürgen Hasenk

Berlin - Leere Zuschauerränge, schreiende Eltern. Nicht nur die Wetterumstellung vom Londoner Regen in die Berliner Sonne ist für Antonia Lottner nicht einfach, auch an die Atmosphäre muss sie sich gewöhnen. Neben den Fans fehlen in Berlin auch die Schiedsrichter. Punkte müssen die Tennisspielerinnen selbst zählen, die Endergebnisse dann dem Veranstalter mitteilen. Lediglich die Spielansagen über die Lautsprecher auf den Plätzen erinnern daran, dass hier ein großes Turnier gespielt wird.

Das Berliner Jugend-Turnier geht bereits in seine 53. Auflage und findet diesjährig vom 8. bis zum 15. Juli an der Anlage des LTTC Rot-Weiß rund um das Steffi-Graf-Stadion in Berlin statt. Das Turnier gilt als Sprungbrett für den Nachwuchs. Die Düsseldorferin Lottner zählt zu den größten deutschen Talenten. In Berlin möchte sie einen kleinen Schritt in die Richtung der großen Erfolge der bisherigen Sieger machen. Unter ihnen befinden sich große Namen wie Steffi Graf und Boris Becker. Unter anderem nahm auch Sabine Lisicki an dem traditionsreichen Jugendturnier teil. Diese scheiterte zuletzt in Wimbledon im Viertelfinale an Angelique Kerber, die ebenfalls schon einmal zu den Teilnehmern der German Juniors gehörte.

Auch Lottner verlor unglücklich im Viertelfinale des Jugendturniers von Wimbledon und versucht nun ihr Glück in Berlin. „Weil sie sich hier sehr wohl gefühlt hat, ist sie sehr gerne zurückgekommen“, sagt ihre Mutter, die Antonia Lottner unterstützt. Hier gilt sie als Topfavoritin, nachdem sich Lottner als Qualifikantin erst im Halbfinale des Grand Slams 2012 in Paris geschlagen geben musste. Für sie sind große Turniere die Belohnung für ihre harte Arbeit im Training.

„Ich hätte ihr jetzt sehr gerne eine Pause gegönnt“, erzählt die Mutter. Doch für die ehrgeizige Düsseldorferin hat Tennis die oberste Priorität. Deshalb strebt sie eine Karriere als Profi an. Eine Zukunft als Medizinerin schließt sie aus, denn sie wolle nicht in die Fußstapfen ihres Vaters treten. „Eigentlich zählt für mich nur Tennis.“

Unterstützung erfährt Lottner auch von ihrer Schule, denn für wichtige Turniere wird sie freigestellt. Das Mitglied des Talent-Teams hält die deutsche Nachwuchsförderung, welche die weiblichen Jungtalente mit finanziellen Mitteln und Wildcards unterstützt, für durchaus gut. Für die Spielerin des TC Moers 08 ist die vergleichsweise intensivere Förderung der Mädchen Grund dafür, dass es aktuell im deutschen Frauentennis besser läuft als bei den Männern.

Sich nur auf eine mögliche Karriere als Tennisprofi zu verlassen, ist Lottner aber doch zu riskant. „Ich will auf jeden Fall meinen Schulabschluss schaffen, um dann nach der Tenniskarriere etwas anderes zu machen.“ Ihre Idole sind Serena Williams und Roger Federer – doch die sind natürlich noch ganz weit weg.

In Berlin versucht Lottner durch ihr variables und leidenschaftliches Spiel erst einmal den Titel der Internationalen Tennis-Jugendmeisterschaft zu gewinnen. Auf die Frage, wie hoch die Chancen auf den Turniersieg seien, antwortet Lottner bereits wie ein Profi: „Ich schaue da von Runde zu Runde weiter.“ Zum Auftakt hat sie gegen die zwei Jahre ältere Russin Alexandra Kazanowa mit 6:1 und 6:0 gewonnen.

Lottners Interesse für den Tennissport wurde schon früh geweckt. Bereits im Kindergartenalter animierte sie drei ihrer Freundinnen zum Trainingsstart, in einem von ihr ausgewählten Verein. Doch nur Antonia Lottner war von Anfang an begeistert. „Sie war die Einzige, die mit strahlenden Augen dort stand. Die anderen Drei haben bereits aufgehört“, ergänzt ihre Mutter. Heute findet die 15-Jährige trotz ihres harten Trainingsplans, der sie fünf Tage in der Woche einbindet, noch Zeit für ihre Freunde. „Die unterstützen mich alle und wenn das jemand nicht versteht, dann gehört er halt nicht zu meinen Freunden“.

Dass sie in der Szene bereits einen guten Namen hat, wurde nach dem Auftaktsieg gegen Kazanowa deutlich. Ihre unterlegene Gegnerin bat nach Spielende um ein Foto mit der deutschen Tennishoffnung. Kevin Maaß/Arne Draheim

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben