Sport : Wenn die Kugel fällt

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Benedikt Voigt über den Reiz des ersten Spieltages

Die Sommerpause der Bundesliga mutet stets etwas seltsam an. Es ist jene Zeit, in der Bayern München noch keinen einzigen Punkt geholt, geschweige denn ein BundesligaTor geschossen hat. Bei Borussia Dortmund sieht es auch nicht besser aus. Die Aufsteiger haben sich noch nicht ans Tabellenende orientiert, Hertha BSC muss noch nicht die erste Enttäuschung der Saison verkraften. Gut, Frankfurt gewinnt 15:0 bei der SG Steinefranz-Weroth, Stuttgart schlägt sich international nicht schlecht, bezwingt die Österreicher des SV Hall mit 6:1. Doch was bedeutet das? Was heißt es, wenn sich Wolfsburg für neun Millionen Euro den Argentinier Andres D’Alessandro leistet und Hannover für 100 000 Euro Silvio Schröter kauft? Was bringt es, wenn Bayern einen Etat von 60 Millionen Euro besitzt und Kaiserslautern nur auf 23 Millionen zurückgreifen kann? Zunächst gar nichts.

Die Sommerpause ist der große Gleichmacher. Vorbei der Kampf von Bayer Leverkusen um den Klassenerhalt, vergessen die Frage, ob Hamburgs Torwart Pieckenhagen gegen Hertha den Ball hinter oder vor der Torlinie stoppte, vorüber der Spaßfußball des VfB Stuttgart. Das Spiel beginnt wieder bei Null. Für alle. Die Sommerpause ist der Moment im Spielcasino, wenn die Kugel im Roulettekessel kreist und die Spannung langsam steigt. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem sich die Kugel auf ein Zahlenfeld senkt. Das ist der erste Spieltag der Bundesliga. Die erste Entscheidung. Ein Moment des Ärgers, der Freude, aber auch der Erlösung. Faites vos jeux, meine Herren, machen Sie ihr Spiel.

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