Sport : Wenn die Müdigkeit kommt

Mainz tut in Freiburg zu wenig fürs Spiel und verliert verdient mit 0:1

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Ein Tor reicht. Der Freiburger Papiss Cissé bezwingt Mainz per Foulelfmeter. Foto: dpa
Ein Tor reicht. Der Freiburger Papiss Cissé bezwingt Mainz per Foulelfmeter. Foto: dpaFoto: dpa

Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel wartete erst gar nicht auf die entsprechende Frage, sondern sprach die entscheidende Spielszene von sich aus an. „Das war bitter für uns“, sagte er zunächst zurückhaltend über den Zweikampf in der 63. Minute, der zum 1:0-Sieg des SC Freiburg führte. Als Freiburgs Niko Bungert gegen Oliver Barth ein wenig zu fest zupackte, hatte WM-Schiedsrichter Wolfgang Stark Elfmeter gepfiffen. Diesen verwandelte Papiss Cissé ohne Probleme. Dann wurde Tuchel deutlicher. „Ich kann ihnen aus dem Stegreif vier bis fünf Szenen nennen, die ähnlich abliefen“, kritisierte er und griff den Schiedsrichter an: „Wenn ich immer nur die letzten zwei Zehntel der Bilder sehe, hält er ihn immer am Trikot.“

Weitere Mainzer unterstützten ihren Trainer. Angreifer Andre Schürrle hatte ein Allerweltsfoul gesehen, Manager Christian Heidel meinte über den Elfmeter: „50 Prozent pfeifen ihn, 50 Prozent nicht und 100 Prozent haben Recht.“ Doch der Manager gestand nach der vierten Niederlage im fünften Pflichtspiel immerhin ein: „Die Niederlage war nicht unverdient, wir haben zu wenig gemacht und hatten zu wenig klare Torszenen.“

Die Freiburger Spieler hatten sich Cissés neunten Saisontreffer und die drei Punkte verdient. Sie attackierten ihre Gegenspieler früh und hielten die Mainzer damit fast immer unter Kontrolle. „Das war ein verdienter Sieg“, sagte Freiburgs Trainer Robin Dutt, „das war Leidenschaft.“ Chancen hatten beide Teams in der ersten Halbzeit nicht viele. Zwei gab es für Freiburg, eine einzige für Mainz.

Knappe zehn Minuten nach der Pause drehten die Mainzer Spieler etwas auf und kamen zu einigen Chancen, die besseren und am Ende auch die Mehrzahl erspielten sich allerdings die Freiburger. Jan Rosenthal, Cedrik Makiadi und Yacine Abdessadki sowie Julian Schuster in der Schlussphase vergaben Chancen für die Gastgeber, für Mainz hätte Nikolce Noveski kurz vor dem Ende treffen können. Sein Kopfball ging nur um Zentimeter am Pfosten vorbei.

„Die Mannschaft hat die taktischen Vorgaben hervorragend umgesetzt und sich den Sieg absolut verdient“, sagte Freiburgs Trainer Dutt. Sein Team errang bereits den sechsten Saisonsieg. Anschließend wollte der Freiburger Coach keine Fernsehinterviews geben, offenbar weil die Mannschaft im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen sollte. „Das hat sie sich verdient“, sagte Dutt.

Freiburg zeigt in der zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg, wie sehr sich das Team weiter entwickelt hat. Mit mittlerweile 18 Punkten eroberten sich die Badener vorerst einen Platz in der ersten Tabellenhälfte. „Wir spielen noch in Hoffenheim und zu Hause gegen Dortmund, da war es wichtig, drei Punkte zu machen“, sagte Julian Schuster.

Trotz der dritten Saisonniederlage in der Bundesliga bleiben die Mainzer weiter auf Rang zwei. Manager Heidel wollte deshalb „keinesfalls eine Krise ausrufen“. Die Mainzer hatten zwar in der Statistik mehr Ballbesitz verzeichnet und gewannen 61 Prozent der Zweikämpfe. Es waren aber nicht die entscheidenden. „Wir haben uns eigentlich gut gefühlt und waren heiß“, sagte Schürrle. „Wir müssen uns schnell daran erinnern, wie es einmal war und wie wir einmal gespielt haben.“ In der 52. Minute hatte der Mainzer Stürmer eine große Chance ausgelassen, als Freiburgs Torwart Oliver Baumann seinen Alleingang stoppte.

„Hier verfällt jetzt keiner in eine Depression, aber es macht auch keinen Spaß zu verlieren“, sagte der Mainzer Präsident Harald Strutz. Noch sei man Zweiter und stehe gut da, sagte der Klubchef, die Mannschaft aber wirke in einer schwierigen Phase müde. „Es stimmt, wir wussten lange nicht, wie sich eine Niederlage wirklich anfühlt“, ergänzte der Manager, „aber uns fehlt im Augenblick das Freche, Wilde und Aggressive.W

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