Sport : Wenn die Muskeln hindern

Dick van Burik trainiert nach 38 Tagen wieder mit Hertha und muss doch weiter warten

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Von Klaus Rocca

Berlin. Am Dienstag ging sein Blick vom Nebenareal am Olympiastadion immer wieder zum Hanns-Braun-Platz hinüber. Dorthin, wo Huub Stevens seine Mannschaftskameraden instruierte. Gestern, nach 38 Tagen, war es endlich so weit: Dick van Burik kehrte in den Kreis seiner Kollegen zurück. Erstmals war er beim Mannschaftstraining von Hertha BSC wieder dabei.

Am 20. Juli, beim Testspiel in Wörgl gegen Fenerbahce Istanbul, hatte es van Burik erwischt. Humpelnd ging er vom Platz. Als er vorzeitig dem Trainingslager in Kaprun den Rücken kehrte und in Berlin ankam, musste er sich auf Krücken stützen. Die Kernspintomografie brachte es dann ans Licht: Nicht – wie vermutet – eine einzelne Faser war in der linken Wade gerissen, es war gleich ein ganzes Muskelbündel. Mindestens vier Wochen Pause, hieß es. Es werden mehr.

Für Dick van Burik sind Muskelkomplikationen fast schon Alltag. Keiner im Kader des Berliner Fußball-Bundesligisten hat eine so ausgeprägte Muskulatur wie er. Was, noch dazu bei einem stattlichen Gewicht von 86 Kilogramm, besonders bei Sprints Probleme bewirken kann. Immer wieder musste van Burik zwangspausieren. Dass er in der vergangenen Saison 28 Bundesligaspiele bestritt – nur Michael Preetz und Marcelinho kamen auf mehr – , war schon fast ein Wunder.

Nach seiner jüngsten Verletzung wollte der 28-Jährige so schnell wie möglich wieder dabei sein. Als er auf Balltraining drängte, gab es einen unliebsamen Rückschlag. „Die Wadenmuskulatur war wieder verhärtet. Er hat zu früh angefangen“, sagte Jörg Drill, der sich als Physiotherapeut vorrangig um den Niederländer kümmerte. Schon vor zwei Wochen hatte Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher vom medizinischen Standpunkt keine Bedenken gegen van Buriks Einsatz. Nun wurde die Pause noch länger.

Gestern, nach dem ersten gemeinsamen Training mit seinen Kameraden, war van Burik schonn wieder voller Zuversicht: „Ich habe keine Beschwerden mehr. Es kann losgehen.“ Soll heißen: Nun kann ihn Huub Stevens in seine Planungen für die nächsten Spiele mit einbeziehen. Natürlich noch nicht für den Sonntag, wenn es im Pokal gegen Holstein Kiel geht. Aber sicherlich auch noch nicht für das nächste Bundesligaspiel am 10. September gegen Borussia Mönchengladbach. „Bei irgendwelchen Knochenverletzungen kann man nach der Heilung schnell wieder mit dem Betroffenen planen, bei einer Muskelverletzung wie bei Dick muss das sehr behutsam gehen“, sagt Stevens und dämpft damit schon mal die Hoffnungen seines Landsmannes.

Ob er denn hoffe, bei völliger Fitness wieder seinen Stammplatz einnehmen zu können, wurde van Burik gefragt. Er schaute den Fragesteller überrascht an und sagte dann schroff: „Was heißt: hoffen. Da bin ich ganz sicher.“ Zur Erinnerung: Auf seiner Position als Chef der Abwehr spielt derzeit Arne Friedrich. Und der macht seine Sache nicht nur sehr ordentlich, er empfahl sich auch gleich für die Nationalmannschaft.

Van Buriks Vorteil ist nicht nur die Erfahrung aus der alten Fußballschule Ajax Amsterdams und aus 131 Bundesligaspielen, er ist mit seiner Routine und Ruhe auch ein wichtiger Faktor. Und er ist diszipliniert. Das schätzt Stevens besonders. Eine Garantie für einen Stammplatz ist aber auch das nicht.

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