Sport : Wenn Dieter den Uli macht

Helmut Schümann

Ein paar Trends gehen um in der Bundesliga. So eine Art Zweitverwertung. Als da wären: Der VfL Wolfsburg lernt vom 1. FC Köln, und die Doppelentlassung von Trainer und Manager wird Mode. Urheber des Modells ist allerdings der 1. FC Kaiserslautern mit dem Trainerrausschmiss unter gleichzeitigem Rücktrittsangebot des Präsidenten.

Zweitens: Der Eigenkopfstoß. Ursprünglich ist so ein Kopfstoß, in Zuhälterkreisen auch Dänemann genannt – warum auch immer ein Däne als Erfinder gilt – ein übles Mittel zur Verletzung eines Gegners. Der Trainer Norbert Meier hat bekanntlich den Kopfstoß mit Selbstverletzung kreiert, der Torwart Schober ihn am Mittwoch im Pokal trendartig, aber perfekt kopiert. Bis hin zum kompletten Hirnverlust beim anschließenden Rechtfertigungsversuch. Aber das war schon vorher klar: Wer Kopfstöße austeilt, hat wohl einen harten Schädel, aber auch eine sehr weiche Birne.

Der dritte Trend ist harmloser, er ist die Vertragsangebotsrücknahme, ein langes und schwieriges Wort. Vielleicht wird dieser Trend deshalb auch nur von den ganz Großen der Branche gepflegt. Urheber dieser Mode war der FC Bayern München, als er seinem Halbbinichweghalbbleibichhier Ballack die Offerte kassierte. Bei den guten familiären Banden der Münchner nach Berlin nimmt es nicht Wunder, dass Herthas Manager Dieter Hoeneß die Variante seines Bruders Uli aufnahm und sie am Objekt Simunic anwandte. Nimmt nicht Wunder, aber trotzdem, hoppla, die Hertha, schau an, stark wie ein Stier, Muskeln wie ein Ochs’ und pralle Kassen noch dazu. Das wusste man bisher gar nicht, dass Hertha in der Lage ist, den Markt zu sondieren und sich nach einer Alternative zu Leistungsträger Simunic umzusehen. Dieser Trend hat nämlich einen Haken: Wenn Dieter den Uli macht, kommt nicht automatisch der FC Bayern raus.

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