Sport : Wenn ein Stock fliegt

Hellmut Krug

56. Minute in der Hamburger AOL-Arena: Die Spieler des Hamburger SV bejubeln ihren zweiten Treffer, als aus dem Fanblock des 1. FC Köln ein Trommelstock fliegt und HSV-Spieler Alexander Laas am Kopf trifft und eine Platzwunde zufügt. Daniel van Buyten trägt den Verletzten aus der Gefahrenzone. Später fällt auch ein Spieler der Kölner unangenehm auf. Özalan Alpay schlägt seinem Gegenspieler Guy Demel mit dem Ellbogen ins Gesicht. Schiedsrichter Jochen Drees hat es nicht gesehen. Hätte das Spiel nach dem Trommelstockwurf abgebrochen werden können? Und welche Folgen wird die Tätlichkeit für Alpay haben, der auch im WM-Qualifikationsspiel Türkei gegen Schweiz negativ aufgefallen ist, Herr Krug?

Ich würde es nicht so krass formulieren, dass das Spiel kurz vor dem Abbruch stand. Dazu muss sich ein Missstand schon wiederholen. Als bei Schiedsrichter Markus Merk im Champions-League-Spiel zwischen dem AC Mailand und Inter Mailand wiederholt Feuerwerkskörper auf das Spielfeld flogen, hatte er keine andere Wahl. Er musste das Spiel, nachdem auch eine 15-minütige Unterbrechung nichts genutzt hatte, abbrechen. In Hamburg aber war Schiedsrichter Jochen Drees nach Lautsprecherdurchsagen und einem Aufmarsch von Ordnungskräften im Kölner Fanblock in der Lage, das Spiel ordnungsgemäß zu Ende zu führen. Mit den Folgen des Wurfes für den 1.FC Köln muss sich nun der Kontrollausschuss beschäftigen.

Für den Heimverein dürfte der Wurf keine Folgen haben, wer denkt denn daran, dass ein Fan seinen Trommelstock als Wurfgeschoss benutzt? Bisher kannten wir diesen Missstand ja hauptsächlich mit kleineren Gegenständen wie Feuerzeugen und Geldmünzen, die allerdings trotz ihrer geringen Größe schon eine Gefährdung für die Spieler darstellen. Denn schon eine geworfene Münze kann, wenn sie jemanden am Kopf trifft wie vor Jahresfrist den Schiedsrichterkollegen Anders Frisk, eine Platzwunde verursachen.

Der Ellbogenschlag von Özalan Alpay ist auch ein Fall für den Kontrollausschuss. Es greift das übliche Verfahren, wenn ein Schiedsrichter eine Tätlichkeit nicht gesehen hat. Der Ellbogencheck war für Jochen Drees nahezu unmöglich zu erkennen, weil er abseits des Balles und bei einer Freistoßausführung stattfand. Es wäre eher ein glücklicher Zufall gewesen, wenn Drees in diesem Moment dorthin gesehen hätte. Nun ist bei der Untersuchung des Kontrollausschusses sicherlich auch die Frage, inwieweit er die Vorfälle aus dem WM-Qualifikationsspiel Türkei gegen Schweiz einbezieht.

Für Schiedsrichter Jochen Drees war es bedingt durch diese ungewöhnlichen Vorfälle sicherlich das schwerste seiner bislang vier Bundesligasspiele. Nach meinen Eindrücken hat er seine Sache aber sehr gut gemacht.

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