Sport : Wenn einer mit einem Vollhackl kimmt…

Bei der Vierschanzentournee verwandelt sich Bischofshofen in einen alpinen Ballermann – gestern aber fiel die Party aus

Benedikt Voigt

Bischofshofen. Vor zwei Jahren hat sich Karl Votocek im österreichischen Fernsehen zu Wort gemeldet. Der Vorsitzende des Bischofshofener Skiklubs versuchte auf diese Weise zu verhindern, dass zu viele Fans bereits volltrunken zum abschließenden Springen der Vierschanzentournee anreisen. Votocek formulierte es nur anders: „Wenn einer mit einem Vollhackl kimmt, ziagt ihn die Polizei raus, und er derf net ins Stadion."

Einmal im Jahr verwandelt sich Bischofshofen im Pongau in einen alpenländischen Ballermann. 10 000 Einwohner zählt die österreichische Gemeinde, doch am 6. Januar, der in Österreich ein Feiertag ist, bevölkert ein Vielfaches davon die Straßen. „Wir erwarten 27 000 bis 30 000 Zuschauer“, sagt Herbert Scheuringer, der stellvertretende Dienststellenleiter der Gendarmerie Bischofshofen. „Das kommt aber sehr auf das Wetter an.“ Wegen zu starken Windes und Schnee musste gestern die Qualifikation an der Paul-Ausserleitner-Schanze abgesagt werden. Heute wird sie um zwölf Uhr nachgeholt. Der erste Durchgang ab 13.45 Uhr (live auf RTL) wird nicht als K.-o.-Springen stattfinden, um ihn womöglich auch als Endergebnis werten zu können. Doch ob es schneit oder nicht – Bischofshofen wird heute wieder voller Menschen sein.

„Das Springen ist ein große Werbung für unseren Ort“, sagt Herwig Pichler, Geschäftsführer des Bischofshofer Tourismusverbands, „wir sind durch das Skispringen auf der ganzen Welt bekannt“. Allerdings kann es auch gelegentlich zur Negativwerbung werden. Vor allem nach dem Springen torkelt der eine oder andere Fans alkoholisiert zurück in den Ort. Gelegentlich liegt einer im Schnee und schläft. „Das ist natürlich nicht so erfreulich“, sagt Pichler, „aber Auswüchse gibt es überall“. Bei der Polizei vergleicht man die Veranstaltung mit einem Fußballspiel. „Da gibt es bei 40 000 Zuschauern auch immer Betrunkene“, sagt Scheuringer.

Es fällt auf, dass Bischofshofen derjenige der vier Tournee-Orte ist, an dem die Vierschanzentournee der Skispringer am ehesten einem Volksfest gleicht. Das dürfte auch an dem Publikum der einzelnen Orte liegen. Zwar wird an jedem Tournee-Ort hochprozentiger Alkohol ausgeschenkt. Doch das Publikum im Kurort Oberstdorf, im mondänen Garmisch-Partenkirchen und in der Stadt Innsbruck verhält sich gesitteter. In Bischofshofen verwandelt sich die Hauptstraße vor und nach dem Springen in eine große Partyzone. Mit einem Prospekt wirbt der Ort in diesem Jahr für das zweite Bischofshofener Springer-Open-Air. Auf drei Bühnen spielen: die Salzachtaler, DJ Gigi und die Alpen-Turbos. Dazu wird es auch Alkohol geben.

Zia Karaaslan zählt zu jenen Bischofshofenern, die heute auf ein gutes Geschäft hoffen. Er hat vor seinem Lebensmittelladen an der Hauptstraße eine kleine Bar aufgebaut. Rum, Bacardi, Whiskey bietet er den Besuchern an. Doch der gestrige Tag war wegen des unaufhörlichen Schneefalls nicht sonderlich lukrativ. Was er verkauft hat, weiß er genau: „Zwei Glühwein.“

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