Sport : Wenn Eisbären groß werden

Der junge Meister aus Berlin steigert sich

Claus Vetter

Berlin - Für den Trainer ist die Angelegenheit eindeutig. Die Eisbären wachsen. „Unsere jungen Spieler machen enorme Fortschritte, auch wenn uns das manchmal nicht auffällt“, sagt Pierre Pagé. „Das ist so wie mit den eigenen Kindern. Wenn du sie täglich um dich hast, merkst du nicht, wie sie wachsen. Wenn du sie dann eine Woche nicht siehst, registrierst du, dass sie größer werden.“ Dass die junge Mannschaft der Eisbären zuletzt von Spiel zu Spiel ein wenig stärker geworden ist, zeigt sich in den Resultaten. Fünfmal in Folge haben die Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zuletzt mindestens einen Punkt geholt und dann natürlich am Freitag beim 4:1-Sieg in Frankfurt ihren bislang besten Auftritt in dieser Saison gehabt.

In Frankfurt waren mit dem zweifachen Torschützen Kelly Fairchild sowie Mark Beaufait und Steve Walker die etablierteren Spieler der Eisbären für die Treffer zuständig. Trotzdem macht Pierre Pagé den Aufschwung am jüngeren Personal fest. Von Walker und Co. sei eine entsprechende Leistung zu erwarten, sagt er. „Aber dass junge Spieler wie Richard Mueller, Christoph Gawlik, Florian Busch und Frank Hördler von Spiel zu Spiel solche Fortschritte machen, ist der eigentliche Grund für unseren Erfolg.“ Ein Erfolg, den der Trainer vor allem auf die Zusammenarbeit mit der zweiten Mannschaft zurückführt. Mueller, Gawlik, Busch und Hördler haben in der vergangenen Saison noch bei den Juniors in der Oberliga ausgeholfen, wo nun andere einspringen müssen, vor allem das Personal aus der vierten Reihe der DEL-Mannschaft. Gleich fünf Spieler aus dem Frankfurter Aufgebot – inklusive Ersatztorwart Youri Ziffzer – spielten gestern in der Oberliga gegen den 1. EV Weiden. „Das ist eine gute Sache, denn in der DEL kommst du in der vierten Reihe nur fünf Minuten pro Spiel zum Einsatz, und so verbesserst du dich kaum.“

Christoph Gawlik darf schon mehr als fünf Minuten in der DEL spielen. Schon mit 18 Jahren hat sich der kräftige Stürmer bei den Eisbären etabliert, er hat nach 16 Spielen immerhin sechs Scorerpunkte. Seine Sturmpartner Mueller, Busch und er selbst, sie hätten „sich eingespielt, den Hebel umgelegt, und nun läuft es“, sagt Gawlik selbstbewusst. Allerdings schafft die große Konkurrenz unter den jungen Spielern auch eine besondere Situation. „Da ist der ständige Ansporn, dass du gut spielen musst. Weil sonst ein anderer vielleicht besser ist und du wieder in die Oberligamannschaft musst.“

Eine interne Drucksituation, die dem Trainer natürlich gefällt und in der er einen enormen Vorteil für die Eisbären sieht. „Die Reservemannschaft könnte der Schlüssel zum Erfolg sein“, sagt Pagé. „Hannover zum Beispiel tritt momentan nur mit 18 Spielern an, weil sie zu viele Verletzte haben. So ein Problem kann es bei uns nicht geben, weil unser Kader durch die zwei Teams viel größer ist.“

Heute im Sportforum (18.30 Uhr) gegen die Nürnberg Ice Tigers werden die Berliner natürlich wieder mit vier Sturmreihen auflaufen. Das erscheint auch nötig. Denn der Gegner, gegen den die Eisbären zuletzt selten gut ausgesehen haben, spielt „enorm druckvoll“, wie Pagé findet. Zudem sind die Franken und vor allem ihr Trainer nach mäßigem Saisonstart unter Druck. Der Arbeitsplatz von Benoit Laporte könnte bei einer Niederlage in Berlin gefährdet sein.

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