Sport : Wenn Erfolg wehtut

Klaus Rocca

Er könnte klagen, tut es aber ganz bewusst nicht. "Sonst hätten die Spieler doch ein Alibi", sagt Jürgen Röber. Also beklagt er nicht, dass Berlins Fußball-Bundesligist Hertha BSC in den nächsten Wochen arg strapaziert wird. Was nicht nur an Gegnern wie FC Bayern, Leverkusen und Schalke liegt. Der Terminkalender ist es, der zusätzliche Probleme aufwirft.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Am kommenden Donnerstag tritt Hertha zum Uefa-Pokal-Spiel in Genf an, zwei Tage später zum Bundesligaspiel in Rostock und wieder drei Tage darauf zum DFB-Pokalspiel in Erfurt. Und das Rückspiel gegen Servette steigt nur drei Tage vor dem Gastspiel auf Schalke. Alle Versuche, die Partie in der Schweiz um zwei Tage vorzuverlegen, schlugen fehl. Ebenso wie das Unterfangen, erst am Sonntag in Rostock antreten zu können. Was ohnehin den zeitlichen Abstand zum Duell mit den unterklassigen Erfurtern verkürzt hätte.

In Amerika, sagt Röber, habe er mit den Calgary Boomers auch oft alle zwei Tage gespielt, dazwischen hätten zudem lange Flugreisen gelegen. Freilich auch so mancher Strandbesuch, und die so genannte Operettenliga hat damals in Europa ohnehin keiner so richtig ernst genommen. Den Hinweis, in anderen Sportarten, beispielsweise Eishockey, werde ständig im Zwei-Tages-Rhythmus gespielt, lässt Jürger Röber nicht gelten: "Da haben die Spieler doch viel mehr Pausen als beim Fußball." Defensivspieler Andreas Schmidt befürchtet: "Wenn so oft hintereinander gespielt wird, dann erhöht sich ganz bestimmt die Verletzungsgefahr, besonders bei mehreren englischen Wochen."

Doch so mancher wird gar nicht so oft in Folge spielen. Stichwort Rotation. Die gab es auch früher schon in der Bundesliga, feiert derzeit aber unter eben dieser Bezeichnung fröhliche Urständ. Allerdings wird Röber nur bedingt rotieren lassen können. Denn in dieser Saison sind bei Hertha ungewöhnlich viele Spieler verletzt. Derzeit hat es von den Stammspielern Sebastian Deisler, Alex Alves, Kostas Konstantinidis, Gabor Kiraly und Marko Rehmer erwischt. Die Hoffnung auf Rehmers Einsatz zerschlug sich gestern. Nachdem der Nationalspieler beim WM-Qualifikationsspiel in Dortmund einen Bluterguss am Rücken erlitten und am Donnerstag seine Chancen mit 50:50 bezeichnet hatte, setzte Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher gestern ein Stopzeichen. Schleicher: "Bei einer derartigen Verletzung weiß man nie, wie lange sie zum Aussetzen zwingt. Wir hoffen, dass Marko in Genf wieder dabei sein kann."

Was die Situation für den Trainer zusätzlich immer wieder erschwert, sind die vielen Abstellungen der Nationalspieler für Begegnungen ihrer Heimatländer. Während der VfL Wolfsburg, heute Gegner Herthas beim Bundesliga-Duell im Olympiastadion (Anpfiff 15.30 Uhr), mit dem Rumänen Dorinel Munteanu lediglich einen einzigen Akteur abstellte, musste Hertha nicht weniger als sechs Spieler für Tage ziehen lassen: Marko Rehmer, Marcelinho, Bart Goor, Josip Simunic, Pal Dardai und Ali Daei. "Damit müssen wir leben" sagt Röber. "Schließlich ist das auch ein Beweis für unsere gute Arbeit." Und doch bringt diese gute Arbeit schwere Belastungen mit sich, und zwar nicht nur körperliche wie etwa bei einem Flug nach Südamerika. Röber: "Marcelinho und Goor standen ebenso wie Rehmer unter starkem psychischen Druck, weil für sie in der WM-Qualifikation viel auf dem Spiel stand. So was hinterlässt natürlich Spuren." Ali Daei erwähnte er nicht. Musste er auch nicht, ist doch der Iraner bei Hertha im besten Falle Reservist. Heute nicht einmal das.

Marcelinho, Herthas erfolgreichster Torschütze, traf übrigens gestern nach über 15-stündigem Flug in Berlin ein. Am Nachmittag war er schon wieder beim Training im Kreise seiner Vereinskollegen. Trotz Jetlags. Auch er klagte nicht.

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