Sport : Wenn es schmutzig wird

NAME

Benedikt Voigt über einen

ehemals weißen Sport

Ach, am liebsten möchte man das gar nicht wahrhaben. Tennis, das ist doch der Sport mit den hübschen Mädchen in den weißen Röcken und den attraktiven Jungs mit dem braunen Teint. Zugegeben, mancher Junge sieht in letzter Zeit ein bisschen verkniffen aus, weil er unaufhörlich über den Platz hetzen muss, und manches Mädchen wirkt mit breitem Kreuz und muskelbewehrten Oberarmen auch nicht mehr so hübsch. Aber muss man immer gleich an das Schlimmste denken?

Wie schön, dass Venus Williams, auch so eine Vertreterin des modernen Krafttennis, solch hässliche Gedanken verscheuchen kann. „Ich denke nicht, dass Doping ein Faktor ist“, sagt die Nummer zwei der Welt. Wie gut auch, dass die Herrentennis-Vereinigung ATP bei den knapp 300 Spielern der Weltrangliste in 365 Tagen 50 unangemeldete Dopingkontrollen nimmt. Und wie wichtig, dass die Damentennis-Vereinigung WTA angekündigt hat, demnächst etwas in Sachen Trainingskontrollen unternehmen zu wollen. Wer so engagiert ist, befleckt den weißen Sport bestimmt nicht.

Da ist es schon fast gemein, dass das französische Doping-Kontrollorgan CPLD beim gemeinsamen Wegschauen nicht mitmachen wollte und bei den French Open einfach seinerseits die Athleten kontrollierte. Prompt meldet die französische Behörde, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, zwei positive Dopingbefunde. Im einen Fall wurde ein Aufputschmittel nachgewiesen, im anderen ein lokales Anästhetikum. Bestätigen sich diese Befunde, waren bei den French Open zwei Profis gedopt. Die n der beiden sind noch nicht bekannt. Man kann eigentlich nur hoffen, dass sie so ähnlich wie Juan Ignacio Chela oder Guillermo Coria heißen. Die beiden Argentinier waren im vergangenen Jahr wegen Dopings mit Steroiden überführt worden, doch weil sie niemand kennt, beschmutzte das die Welt des sauberen Tennis nicht weiter.

Und weil wir gerade beim sauberen Sport sind: Der Radprofi und Tourfavorit Lance Armstrong möchte weiterhin mit seinem umstrittenen Arzt Michele Ferrari zusammenarbeiten. Dieser wird verdächtigt, Ausdauersportler mit Epo versorgt zu haben. Und Mario Cipollini hat unerwartet seinen Rücktritt vom Radsport erklärt. Mit angeblich bevorstehenden Doping-Enthüllungen habe das nichts zu tun, sagte der exzentrische Italiener. Etwas anderes möchten wir Freunde der Sauberkeit auch gar nicht glauben – bis das Gegenteil bewiesen ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben