Sport : Wenn Fans nicht mehr hinschauen wollen

Berlins Football-Team Thunder verliert auch das vierte Spiel – diesmal gegen Scottish Claymores

André Görke

Berlin. David Allen war allen davongelaufen, er war schnell, verdammt schnell. Allen schlug einen Haken, dann war er in der Endzone. „Touchdown!“, schrie der Stadionsprecher im Olympiastadion, und Peter Vaas, der Trainer des Football-Teams Berlin Thunder, stand applaudierend auf dem Rasenplatz. Allen hatteda gerade den Ausgleich geschafft, 17:17 stand es gegen die Scottish Claymores. Aus den Boxen dröhnte feine Musik, Nena sang: „Wunder geschehen“.

Mit Wundern ist das bei Berlin Thunder so eine Sache. Drei Spiele hatte der Klub bis gestern absolviert und drei verloren. Gestern nun, im vierten Spiel der NFL Europe, da hatten die 10 413 Zuschauer schon ein bisschen an den Sieg geglaubt, gerade nach dem Ausgleich durch Allen. Doch am Ende hatte Berlin Thunder erneut verloren, 17:34 (7:14, 10:6, 0:7, 0:7) stand es nach Abpfiff. Es war die vierte Niederlage im vierten Spiel. Die Titelverteidung kann Thunder abschreiben.

Anfangs hatte es noch gut ausgesehen, Thunder lag nach wenigen Minuten 7:0 in Führung. Runningback David Allen hatte seinen ersten Touchdown erzielt, Kicker Axel Kruse holte dann den Extrapunkt.

Nach der Hälfte des Spiels verlor Thunder dann die Ordnung, die Konzentration, selbst einfache Pässe kamen nicht mehr an. „Always look on the bright side of life“, dudelte es aus den Boxen. Schau doch einfach auf die schöne Seite des Lebens, heißt das auf Deutsch. Die Berliner Fans aber wollten da nicht mehr mitsingen, es war frustrierend, die Schotten zogen wie bei der 31:62-Niederlage im Hinspiel davon. Als klar war, dass Thunder keine Chance mehr haben würden, stülpten sich auf der Tribüne einige Thunder-Fans große Papiertüten über den Kopf. Wir können uns das nicht mehr anschauen, sollte das heißen.

Enttäuschend war der Nachmittag auch aus einem anderen Grund: Die Zuschauerzahl lag weit unter dem, womit Thunder gerechnet hatte. Vor zwei Wochen, gegen Rhein Fire, kamen noch etwas mehr als 16 000 Zuschauer ins Olympiastadion. Thunder tut einiges, vor dem Anpfiff gibt es eine große Party hinter der Tribüne, während des Spiels zeigen die Cheerleader eine richtig gute Show. All diese Arbeit ist etwas unnütz, wenn der Fan auf die Tabelle guckt. Thunder ist Letzter.

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