Sport : Wenn Funktionäre grätschen

Im Kampf zwischen DFB und DFL muss Schatzmeister-Kandidat Wilfried Straub verletzt ausscheiden

Robert Ide[Osnabrück]

Seine Stimme stotterte, als Wilfried Straub vor die Delegierten trat, um zu verkünden: „Ich stelle meine eigene Person zurück.“ Seine innere Disziplin kämpfte gegen das Zittern seiner Hände und gegen die Tränen in seinen Augen. Straub, seit mehr als drei Jahrzehnten verdienter Sportfunktionär, gab beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Rückzug seiner Kandidatur als Schatzmeister bekannt. Er hatte keine Chance mehr zu gewinnen.

In der Nacht zum Samstag hatten alle noch einmal auf ihn eingeredet. Bei einem Empfang in einer Osnabrücker Diskothek gaben die wichtigsten Männer des Fußballverbands den mit hängendem Kopf umherlaufenden Straub zu verstehen, dass er ein Kandidat der Profivereine sei. Und die hätten beim Bundestag keine Mehrheit. „Manche haben mir gesagt, du bist ein guter Mann, aber auf der falschen Seite“, klagte Straub und prangerte das Proporzdenken zwischen Profis und Amateuren an. „Wenn es beim DFB eine Blockbildung gibt, kann man nicht mehr von einer demokratischen Wahl sprechen.“

Die Amateurverbände, die über mehr als die Hälfte der Stimmen verfügen, hatten sich schon lange vor der Versammlung auf die Wahl von Heinrich Schmidhuber geeinigt. Der ist Chef des Bayerischen Landesverbandes, des größten Amateurverbandes des DFB. „Ich denke, alle Amateurverbände werden dem Vorschlag zustimmen“, war sich der designierte neue Präsident Theo Zwanziger am Vorabend des Machtkampfes um seine Nachfolge als Schatzmeister sicher.

Mit Schmidhubers Wahl, der die Profivereine demonstrativ nicht zustimmten, ist nun auch Zwanzigers Position gestärkt worden. Der Jurist Schmidhuber, der nach jahrelanger ehrenamtlicher Tätigkeit als Schiedsrichter und Vereinsvertreter nun im Zentrum des DFB angekommenen ist, gab sich nach seiner Wahl bescheiden: „Eine Zusammenarbeit mit den Profis müsste möglich sein.“

Nach dem Bundestag bemühten sich alle Funktionäre bei Kaffee und Kuchen, die Platzkämpfe herunterzuspielen. „Wir sind alle in einem Boot“, mahnte Zwanziger. Danach verwies er aber lächelnd darauf, dass die 27 000 Amateurvereine „nicht bloß Almosenempfänger“ der Bundesligaklubs seien. Sein Kollege Mayer-Vorfelder legte sein Gesicht in Falten, als er sagte: „Es wird zu viel in Lagern gedacht.“ Ein nachhaltiges Auseinanderdriften von Profis und Amateuren konnte er nicht vollständig ausschließen. „Das wäre eine Katastrophe.“

Eine kleine Vorschau auf dieses Szenario hatte der Bundestag am Wochenende geboten. Die Profiklubs verhinderten mit heftigen Drohungen die vorgesehene Beschränkung für Nicht-EU-Ausländer in der Bundesliga. Ebenfalls viele Nachtsitzungen waren nötig, um den Streit um die Zusammensetzung der Regionalliga einzudämmen. Während vor der Veranstaltungshalle in Osnabrück 500 Fans gegen die Teilnahme von Amateurteams der Profivereine in der Regionalliga demonstrierten, einigten sich die Funktionäre darauf, das Streitthema an eine Kommission zu verweisen. „In der Kommission kann der DFB zeigen, ob er die Interessen von beiden Lagern vereinigen kann“, sagte Ligapräsident Werner Hackmann.

Am Schluss ging der Chef der Fußball-Liga zum neuen Schatzmeister, den er nicht unterstützt hatte, und gab ihm die Hand. „Wir machen das schon“, sagte Hackmann zu Schmidhuber. Der gescheiterte Straub stand daneben und murmelte: „Die Scharmützel haben uns viel Zeit und Kraft gekostet.“ Und Tränen.

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