Sport : Wenn Fußball zur Nebensache wird

Der HSV schafft im Abstiegskampf einen wichtigen 1:0-Sieg gegen Wolfsburg, sein Trainer Huub Stevens hat im Moment andere Sorgen

Karsten Doneck[Hamburg]

Huub Stevens saß auf der Bank. Ernst und gefasst verfolgte er den Verlauf des Spiels. Auf emotionale Ausbrüche, bei ihm ohnehin selten, verzichtete er völlig. Kaum einmal griff er, sichtbar für das Publikum, ins Geschehen ein. Beim Trainer des Hamburger SV überlagern private Sorgen im Moment die beruflichen. Seine Ehefrau Toos liegt in der niederländischen Heimat, in Rotterdam, mit einer schweren Darmerkrankung im Krankenhaus. Insofern erfuhr Huub Stevens durch seine Mannschaft immerhin ein bisschen Aufmunterung. Die schlug in der mit 57 000 Zuschauern ausverkauften AOL-Arena den VfL Wolfsburg mit 1:0 (0:0) und kletterte in der Tabelle auf der Fußball-Bundesliga auf den zehnten Platz. Es war für die Hamburger bereits das siebte Spiel hintereinander ohne Niederlage, in sechs Begegnungen davon blieb die Mannschaft sogar ohne Gegentor. Der HSV ist nun sogar die beste Mannschaft der Rückrunde, trotzdem liegt er nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz.

Huub Stevens hatte es nach dem Spiel, das durch ein Tor des Iraners Mehdi Mahdavikia nach exakt einer Stunde entschieden wurde, eilig. Er flog zurück nach Holland zu seiner kranken Ehefrau. An deren Krankenbett hatte Stevens schon während der ganzen vergangenen Woche über gewacht. Toos Stevens war in ein künstliches Koma versetzt worden. Das Training in Hamburg leitete derweil Kotrainer Markus Schupp. Erst am Samstag war Huub Stevens nach Hamburg geflogen und hatte die Abschlusseinheit beaufsichtigt. „Markus Schupp und ich haben in ständigem Kontakt gestanden, alles ist abgestimmt gewesen“, sagte Stevens, „deswegen war es für mich nach meiner Rückkehr nach Hamburg auch nicht schwierig, die richtigen Worte zu finden.“

Wie es weitergeht mit dem Trainer? „Er bekommt von uns alle Unterstützung, die er braucht", sagt Hamburgs Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Es ist gut möglich, dass Huub Stevens auch in dieser Woche bei seiner Ehefrau bleibt, obwohl für den HSV am Samstag schon das nächste Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ansteht. Fragen zu seiner privaten Situation verbat sich Stevens nach dem Schlusspfiff ausdrücklich.

Dafür nahm er zum Spiel gegen Wolfsburg ausführlich Stellung. Er sprach davon, dass seine Mannschaft vor der Pause „attraktiven, gut organisierten Fußball mit vielen Torchancen“ gezeigt habe, in der zweiten Halbzeit aber „die Power nicht halten konnte“. Spielmacher Rafael van der Vaart, der angeschlagen ins Spiel gegangen war, hatte mit zwei Schüssen an Pfosten und Latte Pech. Die Wolfsburger wiederum, die durchweg harmlos in der Offensive aufgetreten waren, trafen durch Santana auch einmal die Latte des HSV-Tores.

Wolfsburgs Trainer Klaus Augenthaler jedenfalls grämte sich ob der ängstlichen und zaghaften Vorstellung seiner Mannschaft. „Ich kann doch nicht erst anfangen, Fußball zu spielen, wenn ich 0:1 zurückliege. Mit 70, 80 Prozent geht es in der Bundesliga nicht“, sagte Augenthaler und hatte noch einen Wunsch, den ihm der HSV aber nicht erfüllt hatte: „Vielleicht wäre es für uns besser gewesen, das 0:1 wäre schon nach zehn Minuten gefallen.“

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