Sport : „Wenn ich das schon höre…“

Bayern Münchens Torjäger Giovane Elber über voreilige Lobeshymnen

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Herr Elber, die Öffentlichkeit schwärmt nach der Champions-League-Qualifikation vom FC Bayern. Tanzt das weiße Ballett, wie es Franz Beckenbauer oder auch Karl-Heinz Rummenigge nannte, künftig ganz Europa aus?

Weißes Ballett – wenn ich das schon höre… Mit solchen Begriffen sollte man vorsichtig sein. Auch dass Rummenigge von der besten Mannschaft aller Zeiten spricht. Nach dem 0:0 zum Bundesligaauftakt in Gladbach hieß es, die Millionarios vom FC Bayern sind nicht frisch. Eine Woche später gegen Bielefeld wurden wir dann in den siebten Himmel gehoben. Das ist mir alles zu einfach.

Sie mögen diese Lobeshymnen nicht?

Eine Saison ist viel zu lang, und die Champions League wird so schwer wie nie, wir haben eine verdammt schwere Gruppe erwischt. Aber auch in Deutschland werden alle Mannschaften gegen den FC Bayern an ihre Leistungsgrenze gehen. Schon am Samstag im Pokal gegen die Amateure von Werder Bremen werden wir es wieder sehen.

Aber Sie haben sich perfekt verstärkt, mit Leuten wie Ballack und Ze Roberto.

Ja, das sind zwei exzellente Fußballer. Ze hatte anfangs noch Probleme, und auch Ballack war wegen der langen Saison und der darauf folgenden WM total platt. Aber er entwickelt sich gut. Gegen Partizan Belgrad haben er und Ze Roberto blendend gespielt.

Zwei tolle Passgeber, die Ihnen zu Ihrem Ziel verhelfen könnten, endlich Torschützenkönig in der Bundesliga zu werden?

Ach, das habe ich vor der Saison doch nur im Spaß gesagt. Wichtig ist, dass wir Meister werden. Alles andere ist mir egal.

Sie harmonieren sehr gut mit dem ehemaligen Bremer Pizarro. Das war nicht immer so.

In der letzten Saison haben wir uns beide im Strafraum oft gegenseitig behindert. Der Trainer hat jetzt einen cleveren Schachzug gewählt, in dem er Pizarro etwas zurückgezogen spielen lässt. Dadurch sind wir beide viel effektiver, und das Mittelfeld erhält zusätzliche Verstärkung.

Der exzellente Kader führte bereits zu Spannungen, weil starke Spieler nur auf der Bank sitzen. Pablo Thiam hat seine Freigabe erhalten, Niko Kovac hat sich schon zu Wort gemeldet. Kann so eine Frust-Connection eine schwere Hypothek für den FC Bayern werden?

Bei einem so gut besetzten Kader ist es normal, dass der eine oder andere unzufrieden ist. Ottmar Hitzfeld kann doch nicht schon in der Anfangsphase einer Saison rotieren.

Sondern?

Die Saison ist lang. Man muss auf seine Chance warten und sie dann nutzen. Wer damit nicht umgehen kann, der sollte besser bei einem kleinen Verein spielen.

Das Gespräch führte Hubert Meyer

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