Sport : „Wenn ich Jans Direktor wäre“ Was Armstrong

Ullrich für 2006 rät

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Paris Auf 17 546 Kilometern an insgesamt 105 Tagen hat Jan Ullrich versucht, Lance Armstrong zu besiegen. Fünfmal hat er den Amerikaner bei der Tour de France herausgefordert, mit einer Ausnahme wurde er jedes Mal deutlich distanziert. Nur 2003 sah es zeitweise so aus, als ob Ullrich das Duell gewinnen könnte, das es nach dem Rücktritt von Armstrong nun nicht mehr geben wird. „Ich werde so lange fahren, bis ich die Tour noch einmal gewonnen habe“, sagt Ullrich. Mit seiner eigenen Leistung ist er zufrieden. „Ich kann mir nichts vorwerfen“, sagte er. „Ein gesunder Rennfahrer ist sicherlich stärker als ein von Rippenprellungen zwei Wochen lang geplagter.“ Ullrich deutet auf die Narbe neben der Halsschlagader: „Ich hatte bei meinen Stürzen sagenhaftes Glück. Ich hätte auch im Krankenhaus liegen können. Stattdessen stehe ich auf dem Podium. Nach all den Stürzen und Verletzungen war es noch eine sehr, sehr gute Tour für mich.“

Armstrong traut Ullrich zu, die Tour sogar noch mehrmals zu gewinnen. Und Armstrong weiß, was Ullrich dafür tun muss. In einem Gespräch zum Abschluss der Tour hat er es seinem deutschen Konkurrenten mit auf den Weg gegeben:

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„Jan ist etwas Besonderes. Ein besonderer Typ für mich. Ein besonderer Rivale. Ich habe keinen Unsinn in all den Jahren erzählt, wenn ich gesagt habe, er ist der am meisten zu fürchtende Fahrer in der Gruppe. Wenn ich Jans Direktor wäre...

Wir haben in der letzten Woche in unserem Team zusammengesessen und gesagt: Wir müssen die Tour wieder gewinnen. Warum holen wir nicht Jan? Denn ich glaube fest, dass Jan die Tour noch einmal gewinnen kann. Nicht nur einmal, sondern mehrmals. Aber ganz klar: Er muss zu diesem Wettbewerb nicht in besserer, sondern nur in ein bisschen besserer Form erscheinen. Denn was man gegen Ende der Tour von ihm sieht, ist der Bursche, der die Rundfahrt gewinnen kann. Doch er verliert das Rennen in der ersten Hälfte.

Es ist vielleicht die Frage, ob er seine Schlüsselrolle schon am Start hergibt. Nur eine ein bisschen bessere Kondition, nur eine ein bisschen bessere Vorbereitung – und ich denke, er wird nächstes Jahr gewinnen. Er besitzt das ganze Paket: Er kann klettern, er kann sehr gut zeitfahren. Es sind nur diese ersten zehn Tage. Wenn er das verändert, wird er meiner Meinung nach gewinnen. Ich sage dies nicht als Kritik. Es wären nur meine ersten Worte an ihn, wenn er in unsere Mannschaft käme.“

Aufgezeichnet von Hartmut Scherzer

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