Sport : Wenn keiner sein Niveau erreicht

Sebastian Arlt

Auf dem Feld und auf Nebenschauplätzen: Vieles stimmt bei Alba nichtSebastian Arlt

Vielleicht war Alba Berlins Cheftrainer Svetislav Pesic in Gedanken schon bei seiner kurz darauf folgenden deutlichen Ansprache in der Kabine. Jedenfalls behauptete er, er habe "nichts gehört" von den Pfiffen, mit denen seine Mannschaft von den Zuschauern nach der 66:76-Niederlage in der Basketball-Europaliga gegen Benetton Treviso vom Parkett verabschiedet wurde. Vielleicht dachte Pesic, dass sein heftiger Disput mit dem beleidigt auf der Bank sitzenden Geert Hammink ruck, zuck vergessen sei, als er auf die Frage danach nur antwortete: "Ich kann mich nicht daran erinnern." Pfiffe der treuen Fans, Streitereien coram publico. Zurück zur Tagesordnung?

Niemand sollte Augen und Ohren verschließen vor dem, was sich am Donnerstagabend in der Max-Schmeling-Halle abspielte. Denn es präsentierte sich eine Berliner Mannschaft, bei der so gut wie nichts zusammenlief. "Uns fehlte die Konzentration", meinte Patrick Femerling, der noch zu den wenigen Lichtblicken gehörte. Auch der niedergeschlagene Kapitän Henrik Rödl fand keine Erklärung, warum bei ihm und fast allen anderen nichts ging. "Wir waren wie gelähmt." Der deutsche Nationalspieler im Trikot der Italiener, Tim Nees, wunderte sich: "Heute waren wir unter dem Korb komischerweise immer frei." Um dann zu relativieren: "Nicht immer, aber oft."

Sicher war ein Grund dafür, dass der Deutsche Meister gegen Treviso chancenlos war, dass man bei den Rebounds oft nur daneben stand und zuschaute, wie sich die Italiener die zurückprallenden Bälle - vor allem vom Berliner Korb - wieder sicherten. "Das gibt einen psychischen Knacks, wenn der Gegner immer noch einen neuen Versuch hat und man selber nicht rankommt", sagte Pesic. So kamen die Berliner fast nie zu Schnellangriffen und leichten Punkten.

"Wenn man anfängt, zu bohren, findet man viele Punkte", sagte Pesic zum Thema Ursachenforschung. Und wenn man bohrt, muss festgestellt werden, dass es dem Berliner Aufbauspiel an Ideen fehlte. Ob Vladimir Bogojevic allein oder gemeinsam mit Henrik Rödl - es wurde zu selten der richtige Weg gegen die gute Abwehr von Benetton Treviso gefunden. Und es lässt sich - gerade nachdem Punktegarant Frankie King nicht mehr da ist - nicht verkraften, wenn Wendell Alexis eine Halbzeit lang völlig abtaucht. 17 seiner 21 Punkte erzielte er nach dem Wechsel. Zwischen den Zeilen war bei Pesic deutlich Kritik herauszuhören: "Erst als Wendell die Entscheidung getroffen hatte, zu attackieren, war es für uns auch in der Offensive leichter." Von der Bank (die Stephan Baeck erst gar nicht verlassen durfte) kamen zudem, im Gegensatz zu Treviso, fast keine Impulse. Terry Dehere ("Ich kenne die Laufwege der Jungs noch nicht so richtig") braucht einfach noch einige Wochen, "um sein Niveau zu erreichen" (Pesic).

Fast keiner erreichte sein Niveau am Donnerstag. Was dazu führte, dass der vierte, für die Play-offs berechtigende Platz in der Zwischenrunde in Gefahr gerät. Zumal Bursa nach Siegen nun mit Alba gleichgezogen hat, allerdings aufgrund des direkten Vergleichs noch hinter den Berlinern liegt. Was aber auch dazu führte, dass viel zuviel auf Nebenschauplätzen gekämpft wurde. "Meine Emotionen sind doch nichts Neues", meinte Pesic lapidar zu seinem Verhalten. Nicht schön, aber wohl nicht neu war, dass er sich ausgiebig mit einem gegnerischen (Pittis) und einem eigenen Spieler (Hammink) stritt. Aber dass einer aus dem Alba-Team so vehement antwortete wie der niederländische Center, kam in den fast sieben Jahren unter der Regie von Pesic nur einmal vor: bei Teoman Alibegovic.

"Wir sind nicht nachtragend", sagte Pesic schließlich. Mal sehen, ob alle so denken. Die Zuschauer eingeschlossen.

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