Sport : Wenn Leistung nur schwer begeistert Istaf: Das Publikum wirkt

Istaf: Das Publikum wirkt müder als die Sportler

Friedhard Teuffel

Berlin - Was es zu sehen gab, war ausgezeichnet. Nur gesehen haben es nicht so viele. Die Kulisse beim Istaf im Berliner Olympiastadion entsprach jedenfalls nicht den Leistungen der Leichtathleten. Am Ende einer langen Saison wirkte das Publikum erschöpfter als die Sportler. Asafa Powell etwa war noch in der Lage, 100 Meter bei Gegenwind in 9,86 Sekunden zu rennen, und Stabhochspringer Steven Hooker aus Australien verbesserte seine persönliche Bestleistung auf 5,96 Meter. Mit solchen Höhenflügen hatte das Publikum offensichtlich nicht gerechnet. Nur etwa 40 000 Besucher kamen am Sonntag ins Stadion und ließen sich bei regnerischem Wetter auch nicht recht mitreißen von den Leistungen.

„Uns haben etwa 10 000 Zuschauer gefehlt“, sagte Gerhard Janetzky, der Geschäftsführer des Istaf. Am Fernseher waren es noch mehr. 1,34 Millionen Menschen sahen die Übertragung in der ARD. Das Istaf machte den Anfang in einer langen Sportübertragung. Im Laufe des Nachmittags stieg der Zuschaueranteil kontinuierlich an, beim DTM-Rennen im niederländischen Zandvoort sahen 1,64 Millionen Menschen zu und beim Springreiten in Aachen schließlich 3,4 Millionen.

Janetzky war dennoch zufrieden: „Wir hatten ein sehr gutes Teilnehmerfeld und fast zwanzig persönliche oder Saisonbestleistungen. Es war sportlich extrem spannend.“ Zum Gelingen der Veranstaltung trugen die deutschen Athleten jedoch nur einen geringen Teil bei. Kaum einer konnte nach den Erfolgen bei den Europameisterschaften in Göteborg noch zulegen. Mit der Zuschauerresonanz war Janetzky auch nur so lange zufrieden, bis die Wettbewerbe begannen, die er für die deutschen Athleten ins Programm genommen hatte. Das Stadion leerte sich, als Weltmeisterin Franka Dietzsch den Diskus warf und 10 000-Meter-Europameister Jan Fitschen 3000 Meter über die Bahn rannte. „Es lief gut, bis die deutsche Welle kam“, sagte Janetzky.

Die deutschen Athleten mussten sich ohnehin mit Rollen im Vorprogramm und im Abspann begnügen. Bei den Kerndisziplinen der Golden League, insbesondere den Sprints und den Mittelstrecken können sie derzeit mit der Weltklasse nicht mithalten. „Ich musste die Deutschen links und rechts im Programm anbauen“, sagte Janetzky. Ausnahmen waren allenfalls der vierte Platz von Kirsten Bolm über 100 Meter Hürden und der dritte von Danny Ecker im Stabhochsprung. „Die deutsche Karte hat nicht gezogen, es hat eine gewisse Entzauberung stattgefunden“, sagte Janetzky.

2007 wird sich einiges ändern. Die Veranstalter hoffen vor allem auf einen späteren Beginn. Sie wollen das Istaf wieder ins Nachmittagsprogramm bekommen, weil der Mittagstermin sie zu viele Zuschauer im Stadion und am Fernseher gekostet habe. Was aus dem Jackpot wird, haben die Veranstalter der sechs Golden-League-Meetings auch noch nicht beschlossen. In diesem Jahr gab es zum ersten Mal zwei Töpfe und aus einem bekamen auch Athleten Geld, die nur fünfmal gewonnen hatten. „Auf der einen Seite konnten wir so mehrfach mit dem Wort Jackpot arbeiten, auf der anderen war die Regelung auch nicht leicht zu kommunizieren“, sagte Janetzky.

Im nächsten Jahr werden die Athleten auch nicht besonders ausgeruht nach Berlin kommen, weil nur zwei Tage vorher das Meeting in Brüssel stattgefunden haben wird. Janetzky sieht jedoch einen Vorteil: „Ich kann sie alle mit einer Chartermaschine aus Brüssel abholen.“

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