Sport : "Wenn man etwas macht, dann richtig"

SEBASTIAN ARLT

BERLIN .Die Szene ist typisch für Henrik Rödl: Knapp sieben Minuten sind beim Basketball-"Gipfel" zwischen Alba Berlin und TVG Trier noch zu spielen.Trier liegt sechs Punkte zurück, ist in Ballbesitz.Rödl will die Kreise des ballführenden Trierers stören, bekommt dabei im Vorbeilaufen erst vom bulligen, an der Wade tätowierten Gäste-Center Rob Ronfroe den Ellenbogen in die Rippen gerammt, dann stößt Triers Keith Gray seine Schulter in Rödls Rücken.Doch die Trierer verlieren den Ball, als erster ist Rödl vorne - und schließt Albas Schnellangriff zum 64:56 ab.Die Miene des Basketballprofis bleibt versteinert, nur ganz kurz wirft er über die Schulter Bernard Thompson einen vernichtenden Blick zu, der ihm beim Korbleger noch einen kräftigen Schubs gegeben hatte.Typisch Rödl: Dorthin zu gehen, wo es weh tut, ohne große Gesten, unspektakulär, aber effektiv wie kein anderer im Team des Deutschen Meisters Alba Berlin.

Nach Albas 84:66 gegen Trier am Sonntag traf wie so oft der Vergleich zu, den einmal Mitspieler Wendell Alexis geprägt hat: "Henrik ist der Klebstoff des Teams." Derjenige, der alles zusammenhält.Dessen Spezialität es ist, in der Abwehr den Gegnern das Leben schwer zu machen, der ebenso als Paßgeber brilliert, aber auch, wie in den letzten Spielen, Punkte sammelt.Und damit großen Anteil daran hat, daß es in letzter Zeit bei Alba kontinuierlich aufwärts geht: Sieg im deutschen Pokal, Tabellenführung in der Bundesliga; nach sieben Niederlagen hintereinander in der Europaliga von vielen abgeschrieben, nun noch mit guten Chancen, den Klassenverbleib zu schaffen, was sich morgen (Inforadio ab 20.30 Uhr) in Villeurbanne entscheiden wird.

Henrik Rödl, das bedeutet: immer voller Einsatz."Wenn man etwas macht, dann richtig", sagt er.Im Sport wie im Leben.Eine Maxime, "die ich wohl von seinem Vater übernommen habe".Die Freude über Erfolge sei halt viel größer, wenn sie hart erarbeitet wurden und einem nicht in den Schoß gefallen sind.

Typisch Rödl: Seinen Anteil an der positiven Entwicklung will er nicht überbewerten."Die Mannschaft mußte erst zusammenwachsen, das war das Schwierigste." Aber: "Je länger man da ist, desto größer wird schon die Verantwortung, die man übernehmen muß." Vor allem, nachdem sich Führungspersönlichkeiten wie Harnisch, Karassew und Welp vor der Saison verabschiedet haben.Seit dem Sommer 1993 ist Henrik Rödl bei Alba, er ist der dienstälteste Spieler bei den Berlinern, mit denen er inzwischen zweimal Deutscher Meister, zweimal Pokalsieger sowie Gewinner des Korac-Cups wurde.Immer als Wegbegleiter von Alba-Coach Svetislav Pesic, der Rödl schon vor zehn Jahren in die damals von ihm trainierte Nationalmannschaft holte.Für den Trainer sei er zumeist "pflegeleicht", schätzt Rödl, "aber ich bin auch nicht immer einfach".Wenn der gebürtige Offenbacher beispielweise mit sich und der Welt hadert, manchmal alles zu dramatisch sieht, "wenn Pesic merkt, daß ich mit dem Kopf nicht dabei bin, wäscht er ihn mir - das brauche ich dann auch." Und Pesic, der ihn vor Jahren zum Alba-Kapitän bestimmte, sei der Hauptgrund dafür, "daß ich bei Alba bin und nun einen bestimmten Stellenwert im deutschen Basketball habe."

Sein Stellenwert ist hoch.Fast 200 Länderspiele hat Henrik Rödl schon bestritten, 1996 wurde der 2,00 m große Profi zum "Basketballer des Jahres" in Deutschland gewählt.Im Dezember 1998 wurde er zum "EuroStars"-Spiel der besten europäischen Basketballer in der Schmeling-Halle eingeladen.Doch es gibt auch Leistungen außerhalb des Spielfeldes.Sein Engagement für den taubstummen Basketballer Oliver Luksza wurde mit dem Georg-von-Opel-Preis für besonderes soziales Engagement ("Stille Sieger") ausgezeichnet.Um dessen Studium an der Gehörlosen-Uni in Washington zu finanzieren, hat Rödl eine Art Patenschaft übernommen.Einen Teil der Studiengebühren zahlt er selbst, den Rest versucht Rödl, durch Spenden zusammenzutragen.Zu diesem Zweck organisiert er am 22.Mai in der Sömmeringhalle auch ein Spiel mit aktuellen und ehemaligen "Albatrossen".Typisch Rödl: Für sein soziales Engagement - und nur dafür - ist ihm Publizität recht.

"Drei bis fünf Jahre" will er noch als Basketballer aktiv sein.Die Familie mit Ehefrau Susan und Töchterchen Leah kann sich gut vorstellen, einmal für immer in Berlin zu bleiben.Doch viele Gedanken verschwendet er an die weiter entfernte Zukunft nicht.An die nähere schon eher.In zwei Wochen wird er 30.Dazu nur ein Wort: "Oje!"

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