Sport : Wenn mehr als nur der Mast bricht

Team New Zealand muss im vierten Rennen um den America’s Cup aufgeben – die Schweizer Yacht Alinghi steht vor dem Triumph

Ingo Petz

Auckland. Dean Barker sitzt auf der Reling. Alles an ihm zeigt nach unten, Kopf, Schultern, Arme. Der junge Steuermann der Neuseeländer hat beim America’s Cup in den vergangenen zwei Wochen das Bild des Seglers von der traurigen Gestalt revolutioniert. Nach dem dramatischen ersten Rennen, das die Neuseeländer gegen die Schweizer Yacht Alinghi bereits nach 20 Minuten aufgeben mussten, nach dem spektakulären zweiten Rennen, das auf der letzten Geraden verloren wurde und nach dem langweiligen dritten, in dem Neuseeland keine Chance hatte. Schließlich nach dem Mastbruch vor Auckland beim vierten Rennen am Freitag.

Am Sonnabend, in den Morgenstunden deutscher Zeit, konnte ein weiteres Kapitel in der Geschichte „Wie Neuseeland den Cup verteidigen wollte und dabei unterging“ hinzukommen. Das traurigste von allen, denn eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit dem Gesamtsieg der Alinghi und dem ersten Triumph eines europäischen Teams in der 152-jährigen Geschichte des Wettbewerbs überhaupt.

Neun lange Tage mussten beide Teams warten, immer wieder wurde die Wettfahrt wegen zu wenig oder zu viel Wind abgesagt. Am Freitag gab Wettfahrtleiter Harold Bennett dann endlich den Startschuss zum vierten Rennen, das für die Gastgeber zum Debakel werden sollte. Nach einem Drittel brach bei Windböen bis 25 Knoten der Mast der NZL 82. Die Takelage schlang sich wie ein Spinnennetz um das Boot. Die Reste des Hauptsegels hingen in Fetzen vom letzten Überbleibsel des gewaltigen Mastes.

Das schwarz-rote Schiff von Alinghi hingegen drehte Runde um Runde. Die SUI-64 lag gut im Wind. Der Alinghi-Steuermann Russell Coutts hatte das Steuer im Griff. „Das war die Vorentscheidung“, sagte der deutsche Alinghi-Stratege und Sportdirektor Jochen Schümann nach dem Rennen, das nur für eine Stunde eines war. Dennoch hatte der älteste Segler in der Alinghi-Crew nach dem Sieg die Arme hoch gerissen. „Klar freuen wir uns“, sagte Schümann im Hauptquartier der Schweizer Alpensegler. „Da war natürlich kein Feuer drin. Wir hätten gern gegen einen Gegner gewonnen, der sich nicht selbst geschlagen hätte.“ In der dritten Runde hatte sich bereits Wasser im Bauch der Kiwi-Yacht gesammelt. Eine Luke im Vorderteil des Schiffes war offen gelassen worden. Eine Welle, zwei Wellen. Das Wasser spritzt und der Mast kracht. Auf rund 20 Meter Höhe bricht der 33 Meter lange Mast und stürzt ins Wasser. Das Rennen ist für Neuseeland vorbei. Alinghi fährt zum zweiten Mal allein über die Ziellinie. „Bei den Neuseeländern ist heute mehr gebrochen als nur der Mast, da kann nicht mehr viel Selbstvertrauen übrig sein“, hoffte Olympiasieger Schümann.

Mit dem Drama schwand bei den Gastgebern die Hoffnung. Bei der Rückfahrt in den Hafen unterstützten deutlich weniger Besucher die neuseeländischen Segler. Schon in den vergangenen acht Tagen war die Zuversicht gesunken. Der „New Zealand Herald“, die größte Tageszeitung, hatte vor den ersten Rennen großen Optimismus verbreitet. Gestern war alles anders. Auf der Titelseite wurde über einen Tigerangriff auf einen Zoobesucher berichtet. Der Cup und die Hoffnung fanden auf den hinteren Seiten statt.

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