Sport : Wenn Muskeln schließen

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Helmut Schümann über die verschobene Statik des Fredi Bobic

Oh weh, es kommen harte Zeiten auf Berlin zu, auf die hiesige Hertha, auf alle Freunde des Fußballs und der gepflegten Metapher. Der Muskel hat zugemacht, der von Fredi Bobic, es geschah in Reutlingen, es waren erst drei Minuten gespielt. Ein zugemachter Muskel hatte bislang eine gewisse Exklusivität, ein zugemachter Muskel war bislang ausschließlich Lothar Matthäus vorbehalten. Bei dem machte alle Nase lang irgendein Muskel zu, leider nur nie der, der den Mund schließt. Nun also auch Fredi Bobic. Was will uns das sagen?

Fredi Bobics Job ist es, Tore zu schießen, zurzeit macht er seinen Job sehr schlecht. Es bestand aber Hoffnung auf Besserung, warum soll nicht auch einmal ein FußballNationalspieler eine Krise durchschreiten, sie würde vergehen. Nun ist die Hoffnung vergangen. Der zumachende Muskel, dieser Schließer-Muskel nämlich, hat eine Ursache. Die liegt in der Vergangenheit, in den Profijahren von Fredi Bobic, hat Fredi Bobic gesagt. Die Jahre nämlich haben die Statik seines Körpers verändert, hat er gesagt, das führt zu natürlichen Verschiebungen, zu Verschleißerscheinungen. Verschleißerscheinungen sind irreparabel, verschlissene Teile müssen ausgewechselt werden, das geht bei einem Schließer-Muskel aber nicht so leicht. Da nützt das ganze viele Geld gar nichts, das so ein Fußball-Nationalspieler auch dann bekommt, wenn er seinen Job schlecht macht. Schlimm für Bobic, er ist erst 31 Jahre alt, schlimm auch für die Hertha, die hat mit Bobics Toren gerechnet.

Was nun, da Bobic eine Erklärung geliefert hat nicht nur für vergangene Unzulänglichkeiten beim Torschuss, sondern auch für zukünftige, ja, für eine ganze Saison, für seine Zukunft, die ja nun nicht mehr im Fußball liegen kann? Den Schließer-Muskel austauschen? Das geht nicht oder nur schwer. Bobic in Rente schicken? Das gehört sich nicht oder ist nur teuer. Bobic erst denken, dann reden lassen? Das wäre die Lösung. Man muss nicht alles von Lothar Matthäus übernehmen.

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