Sport : Wenn nichts mehr geht, muss einer gehen

Herthas Manager Hoeneß blieb keine Wahl: Nach Wochen des Niedergangs entließ er Trainer Stevens

Klaus Rocca

Berlin. Huub Stevens war gerade vom Vereinsgelände von Hertha BSC gefahren, da trat Dieter Hoeneß vor die Presse. Dann verkündete er das, was längst die Runde gemacht hatte. „Wir, Huub Steevens und ich, haben uns darauf geeinigt, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden“, sagte Herthas Manager. Stevens, von dem Hoeneß einst meinte, die ganze Liga werde Hertha um ihn beneiden, hat nach Wochen der Erfolglosigkeit nun doch seinen Abschied nehmen müssen – erstmals in seiner Trainerkarriere. Hoeneß, der sein eigenes sportliches Schicksal mit dem des Niederländers verknüpft hatte, musste angesichts der vielen Misserfolge die von Fans und Medien längst geforderte Trennung vollziehen. Als Interims-Trainer wird der derzeitige Amateurtrainer Andreas Thom bis zur Winterpause die Mannschaft betreuen.

Die Entscheidung, Stevens zu entlassen, war schon am Vorabend gefallen. Nach dem 1:6-Debakel im DFB-Pokal in Bremen „wussten wir beide, dass nichts mehr geht“, bekannte Hoeneß. In der Kabine des Weserstadions kamen beide überein, die Zusammenarbeit zu beenden, ohne den Schritt schon öffentlich zu machen. Gestern früh trafen sich Hoeneß und Stevens noch einmal, um sich gegenseitig zu versichern, dass sie nun getrennte Wege gehen. Stevens, dessen Vertrag noch bis zum Saisonende lief und bei einer Vereinsoption bis 2005 hätte verlängert werden können, erhält eine Abfindung. Über deren Höhe wird Stillschweigen bewahrt.

Warum er Stevens nicht früher entlassen habe, sondern erst nach den bitteren Niederlagen gegen Kaiserslautern und Schalke sowie der Pleite in Bremen, wurde Herthas Manager gefragt. „Wir haben doch in beiden Bundesligaspielen geführt. Hätten wir gewonnen, wäre alles richtig gewesen. Hinterher ist man immer klüger“, argumentierte Hoeneß, der mit seinem Festhalten an Stevens zuletzt einen erheblichen Imageschaden erlitten hatte. Deshalb war die Position von Hoeneß, Manager und Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft in Personalunion, öffentlich in Frage gestellt worden. Hoeneß entgegnete dem am Donnerstag: „Ich habe hier in sieben Jahren viel aufgebaut. Jetzt stehle ich mich nicht davon.“ Präsident Bernd Schiphorst sagt zum langen Festhalten an Stevens: „Das war nicht allein die Entscheidung des Managers, sondern des gesamten Beteiligungsausschusses.“

Dass nun, da Hertha auf einem Abstiegsplatz steht, die Suche nach einem neuen Cheftrainer schwieriger wird, ist auch Hoeneß klar. Zumal er zugibt, in den Wochen nach dem Ultimatum für Stevens nicht nach einem Trainer Ausschau gehalten zu haben. „Jetzt müssen wir uns an dem orientieren, was der Markt hergibt“, sagte Hoeneß. Allzu viel gibt der Markt nicht her. Wie schon vor Wochen ist wieder Kjetil Rekdal im Gespräch. Der Norweger, der bis 2000 als Abwehrspieler 64 Spiele für Hertha bestritten hat, ist nicht abgeneigt. „Allerdings stehe ich derzeit in Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung bei meinem Verein“, sagt der 35-Jährige, der gerade an seinem Trainerschein arbeitet. Mit seinem derzeitigen Verein Valerenga Oslo steht Rekdal in der dritten Runde des Uefa-Cups. Bleibt abzuwarten, ob er wirklich von einem international beschäftigten Klub zu einem auf nationaler Ebene vom Abstieg bedrohten Verein wechseln würde. „Bislang hat Dieter Hoeneß auch noch gar nicht angerufen“, sagte Rekdal am Nachmittag dem Tagesspiegel.

Vorerst wird also Andreas Thom, gemeinsam mit dem Torwarttrainer Enver Maric, das Team betreuen. Thom hatte bereits 2002 nach der Entlassung von Jürgen Röber bis zum Amtsantritt von Stevens die Hertha-Profis betreut, gemeinsam mit Falko Götz. In 13 Spielen führten sie Hertha zu neun Siegen und einem Unentschieden. Das Gespann war so erfolgreich, dass die Fans am liebsten beide weiter im Amt gesehen hätten.

„Die Situation ist für mich nicht einfach. Ich hoffe, dass die Mannschaft voll mitzieht“, sagte Thom. Für Hoeneß bringt Thom „eine gewisse Lockerheit“ mit, die die Mannschaft gerade jetzt in ihrer Verunsicherung gut brauchen könne. Dabei dachte Hoeneß sicher auch schon an den Sonnabend. Da muss Hertha in Dortmund antreten. Die Borussia hat von sieben Heimspielen sechs gewonnen.

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