Sport : Wenn nur noch die Abwehr steht

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Friedhard Teuffel erklärt, warum Borussia Dortmund kein Spitzenklub ist

Ein FußballSpitzenklub ist leicht zu bestimmen. Er greift immer an. Ein Spitzenklub entwirft kühne Pläne, erzählt von Visionen und wirbt um die begabtesten Spieler Europas. Borussia Dortmund dagegen wehrt nur noch ab. Angebote von anderen Vereinen zum Beispiel, die jetzt Dortmunds beste Spieler haben wollen, sogar den besten, Tomas Rosicky. Oder Analysen von leitenden Bankangestellten, die den Dortmundern eine ärmliche Zahl nach der anderen an den Kopf knallen. 72 Millionen Euro beispielsweise, die der Klub schon vor dem Börsengang als Schulden angehäuft haben soll. Oder 44,8 Millionen Euro Verlust, mit denen die Borussia dieses Geschäftsjahr abschließen könnte.

Noch schwerer wird es, all die Anekdoten zu widerlegen, die über die Vereinsführung erzählt werden. Etwa diese: Fredi Bobic soll 1999 vom VfB Stuttgart nach Dortmund wechseln. Er will zusammen mit seinem Berater in den Verhandlungen zwei Millionen Mark herausholen. Doch Borussias Manager Michael Meier bietet gleich 2,5 Millionen. Darauf entgegnet Bobic: „Da ist doch nach oben sicher noch Luft.“ Meier legt noch einmal drauf und es kommt zustande, was Bobic den „Vertrag meines Lebens“ nennt.

Offenbar wollte Borussia Dortmund seine Profis richtig glücklich machen. Ein Spitzenklub sorgt sich zwar um das Wohl seiner Mitarbeiter, ein Meister des Realismus muss er aber auch sein. Und es gibt noch einen wichtigen Grund, warum Dortmund kein Spitzenklub mehr ist. Trainer Peter Neururer hat angekündigt, mit seinem VfL Bochum die Nummer eins im Ruhrgebiet zu werden. Was soll bloß aus der Borussia werden, wenn selbst der viel belächelte Neururer sie nicht mehr ernst nimmt?

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