Sport : Wenn Patrioten herrschen

New Englands Footballteam schlägt Philadelphia 24:21 und gewinnt den dritten Super Bowl in vier Jahren

Christian Hönicke

Berlin/Jacksonville - In Europa ist eine Mannschaft, die mehrere Titel gewinnt, einfach eine sehr gute Mannschaft. In den USA hält man nichts von solchen Untertreibungen. Dort werden Seriensieger wie einst die Chicago Bulls im Basketball, die New York Yankees im Baseball oder das Eishockeyteam der Fünfziger, die Detroit Red Wings, mit dem kleinen Zusatz „Dynastie“ bedacht. Seit Sonntag dürfen sich auch die New England Patriots geadelt fühlen. Das Footballteam aus Boston hat sich mit dem 24:21 gegen die Philadelphia Eagles, dem dritten Super-Bowl-Sieg innerhalb von vier Jahren, für die Aufnahme in die Dynastienliste qualifiziert.

Philadelphia dagegen droht das Schicksal, künftig mit den Buffalo Bills in Verbindung gebracht zu werden, jenem Team, das in den Neunzigern viermal in Folge im Super Bowl verlor. Für die Eagles war es zwar die erste Endspielniederlage, in den drei Jahren zuvor waren sie jedoch jeweils als Favorit im Halbfinale. Inzwischen leidet die ganze Stadt unter einer Art Minderwertigkeitskomplex: Seit 1983, als die 76ers Basketballchampion wurden, hat Philadelphia keinen Titel mehr feiern dürfen. Donovan McNabb wollte das ändern. Vielleicht wollte er das zu sehr.

Der Spielmacher der Eagles leitete am Sonntag in Jacksonville 357 Yards Raumgewinn und drei Touchdowns ein. Das war die drittbeste Leistung in der Geschichte des Super Bowls. Sie hätte wohl auch zum Titelgewinn gereicht, hätte der 28-Jährige nicht außerdem noch dreimal einem gegnerischen Verteidiger den Ball in die Hände geworfen. „Ballverluste bringen dich um“, sagte McNabb. „Für uns waren sie heute besonders schmerzlich.“ Sein Gegenüber weiß dagegen noch immer nicht, wie sich der Schmerz eines verlorenen wichtigen Spiels anfühlt.

Tom Brady, der Quarterback der Patriots, blieb auch im neunten Play-off- Spiel seiner Karriere unbesiegt. Am Sonntag bot er wie so oft keine spektakuläre (236 Yards, zwei Touchdowns), sondern eine fehlerfreie Leistung. In dem engen und hektischen Spiel stellte sich das als entscheidend heraus. Oder wie Patriots-Verteidiger Ty Law es ausdrückt: „Tom weiß halt, wie man Spiele gewinnt.“ Wie wahr: Am Ende hatten die Philadelphia Eagles in fast allen Statistikkategorien einen besseren Wert, nur in der wichtigsten nicht. „Wir hätten gewinnen können, und das tut weh“, sagte Philadelphias Passempfänger Terrell Owens.

Philadelphia war durch McNabbs ersten Touchdown-Pass in Führung gegangen, konnte sich aber nicht absetzen. Immer wieder scheiterten die Eagles in aussichtsreicher Position an eigenen Fehlern oder der starken Abwehr der Patriots. New England glich aus und lag trotz bestenfalls solider Leistung im letzten Viertel 24:14 vorn. McNabb brachte sein Team noch einmal heran und hatte eine Minute vor Schluss sogar die Möglichkeit, es zum Sieg zu führen. Doch dann verlor er zum dritten Mal den Ball und Philadelphia die Hoffnung auf eine große Siegesparty.

Boston bekommt dafür seine zweite innerhalb weniger Monate: Erst im Oktober hatte die Stadt den Baseball-Titel der Red Sox bejubelt. „Ich kann es gar nicht erwarten, eine weitere Meisterfeier in Boston mitzuerleben“, sagte Brady, und wenn das Team nicht auseinander bricht, wird es wohl nicht die letzte Party sein. In Philadelphia wären sie für den Anfang schon mit einer zufrieden.

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