Sport : Wenn Pop mehr Kick gibt

Madonna oder Fußball? Bei der Nutzung von Stadien sind sich Betreiber und Bundesliga uneinig

Friedhard Teuffel

Berlin - Madonna ist mit ihrer Tournee längst wieder in Amerika angekommen, aber in Frankfurt wird immer noch über sie geredet. Vor allem über die Spuren, die sie auf dem Rasen des Stadions hinterlassen hat. Wegen der Folgen ihres Konzerts musste das Bundesligaspiel Frankfurt gegen Karlsruhe verlegt werden, es wird am heutigen Mittwoch nachgeholt.

Seit Madonnas Konzert sorgen sich die Stadionbetreiber noch mehr darum, dass Fußball und Konzert sich regelmäßig in die Quere kommen könnten zum Schaden aller. „So kann es nicht weitergehen. Wir müssen zu besseren Vereinbarungen kommen“, sagt Joachim Thomas. Er ist Vorsitzender der Vereinigung deutscher Stadionbetreiber, ihr gehören alle Bundesligastadien und wichtige Stadien der Zweiten Liga an.

Sie würden gerne öfter musikalische Größen in ihren Stadien auftreten lassen, aber sehen sich von der DFL, der Deutschen Fußball-Liga, eingeschränkt. Sie würde ihnen mit der späten Terminplanung viele Möglichkeiten nehmen. „Es kann nicht angehen, dass die Austragung von Konzerten unmöglich gemacht wird“, sagt Thomas. Der Fußball ist das Wichtigste in den Stadien, zumal viele von ihnen inzwischen auch Bundesligavereinen gehören. Andere sind jedoch ganz oder teilweise im Besitz der Kommunen; mit Konzerten möglichst viel Geld zu erwirtschaften ist, also ein öffentliches Interesse. In Frankfurt beispielsweise hat die Stadt mit der Betreibergesellschaft einen erfolgsabhängigen Pachtvertrag geschlossen. Je mehr die Gesellschaft erwirtschaftet, desto mehr Geld fließt auch in die Frankfurter Stadtkasse.

Berlin ist um das Problem gerade noch einmal herumgekommen. Auch dort sang Madonna, aber am folgenden Wochenende spielte Hertha BSC auswärts. „Was in Frankfurt passiert ist, ist eine Blamage zum Quadrat. Die DFL hat es sich zu einfach gemacht“, sagt Peter von Löbbecke, der Geschäftsführer des Olympiastadions. „Ich verstehe nicht, warum die DFL nicht in der Lage ist, mit Terminen anders umzugehen.“ Auch Joachim Thomas sagt: „Das Desaster in Frankfurt wäre vermeidbar gewesen. Die DFL hätte den Spielplan anders gestalten und das Spiel statt am Freitag am Sonntag ansetzen können.“

Die Fußball-Liga hat dazu eine ganz andere Meinung. „Ob Freitag, Samstag, Sonntag oder Montag – bei diesen Platzverhältnissen hätten wir an allen Tagen absagen müssen“, sagte Geschäftsführer Holger Hieronymus. Intern heißt es bei der DFL, die Stadionbetreiber hätten die Schäden am Rasen unterschätzt und fürchten um ihren Ruf, dass vielleicht Konzertveranstalter von der Spielabsage aufgeschreckt seien und beim nächsten Mal lieber in ein anders Stadion gehen, nicht mehr nach Frankfurt.

Es ist jedenfalls auch schon vorgekommen, dass Rasen erst am Tag vor einem Bundesligaspiel neu verlegt wurde und dennoch bespielbar war, anders also als in Frankfurt. Die Verlegung des Spiels zwischen Frankfurt und Karlsruhe ist der Tiefpunkt einer Diskussion, wie viel Rücksicht die DFL auf die Stadionbetreiber nehmen kann und muss. Die DFL verweist auf internationale Termine, nach denen sie sich richten müsse, und erklärt, dass sie die Vereine und Stadionbetreiber so früh wie möglich über ihre Terminplanungen informiere. Das nehmen die Stadionbetreiber der Liga jedoch nicht ab. „Wir sind in dieser Angelegenheit schon mal bei der DFL in Frankfurt gewesen“, sagt Peter von Löbbecke, und auch nach dem verlegten Bundesligaspiel ist noch einmal ein Gespräch angesetzt. Die besten Erfahrungen hat Löbbecke damit jedoch nicht gemacht. „die Leute waren lieb und nett und freundlich, aber die DFL bewegt sich einfach nicht.“

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