Sport : Wenn Rosicky humpelt, humpeln alle

Ohne Regisseur haben die Tschechen große Probleme.

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Hart zum Gegner, hart zu sich selbst.
Hart zum Gegner, hart zu sich selbst.Foto: dapd

Tomas Rosicky humpelte. Das war kein gutes Zeichen, so direkt nach dem 2:1 (2:0) über Griechenland, das der tschechischen Fußballseele so guttat und doch ein ernüchterndes Bild zurückließ. Mit Rosicky humpelt sinnbildlich der tschechische Fußball. Ohne ihn läuft nichts im Spiel der Nationalelf, das zeigte die zweite Hälfte, als er mit dem Mannschaftsarzt in der Kabine saß. Und nicht mitbekam, wie ratlos seine Mannschaft sich abmühte, ohne ihn den Sieg über die Zeit zu retten.

Die Zukunftsaussichten sind nicht eben gut. Das betrifft die kurzfristige Perspektive und die nächsten Jahre. Die Säulen der tschechischen Mannschaft stehen am Ende ihrer Karriere, ein Generationswechsel nach der EM scheint unumgänglich. Die Wechselwelle würde Stars wie Stürmer Milan Baros, ein Schatten früherer Tage, und Torwart Petr Cech, der mit einem Patzer den Anschlusstreffer durch Theofanis Gekas ermöglichte, erfassen. Und auch ihn: Tomas Rosicky vom FC Arsenal. Weil die Tschechen zurzeit über keine unerschöpfliche Quelle an Talenten verfügen, ist es keine gewagte Prognose, dass sie wohl für eine Weile von der großen Fußballbühne verschwinden werden.

„Es ging nicht mehr“, klagte Rosicky. Er grinste, als man ihn zur Abhängigkeit des tschechischen Spieles von seiner Kreativität befragte, und sagte mit vielsagendem Lächeln: „Ich habe nichts gesehen.“ Dann sagte er, es sei bei ihm „die Achillessehne“. Vor dem Turnier waren es die Muskeln im Oberschenkel, die streikten. Die jetzige Folgeverletzung zeigt, wie dringend Rosicky eine Pause nötig hat. Für ein bisschen Erholung plädiert auch sein Arsenal-Trainer Arsene Wenger, das wurde den Tschechen bereits aus London mitgeteilt. Um überhaupt in Polen dabei zu sein, ließ der ehemalige Dortmunder Testspiele in der Vorbereitungsphase aus.

Gesund ist er mit dieser Strategie nicht geworden. Es reicht höchstens zu kürzeren Einsätzen. 45 Minuten scheint das Maximum, das er seinem Körper abtrotzen kann. Das wird auch am Sonnabend gegen Polen nicht anders sein – wenn er denn überhaupt auflaufen kann. Gegen Russland gingen die Tschechen 1:4 unter und hatten dabei allenfalls eine gute Viertelstunde. Die Partie gegen Griechenland erschien wie eine Kopie. Kurz blitzte noch mal der verblichene Glanz des Vizeeuropameisters von 1996 auf. Nach 20 Minuten und zwei Toren war alle Energie aufgebraucht. Oliver Trust

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