Sport : Wenn Schiedsrichter streiken

Nach Frisks Rücktritt wehren sich die Referees

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Frankfurt am Main Die Schiedsrichter wehren sich. Nach dem Rücktritt des schwedischen Unparteiischen Anders Frisk hat der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) sogar einen Streik seiner Kollegen ins Spiel gebracht, um den jüngsten Auswüchsen entgegen zu treten. „Natürlich unterlaufen uns wie jedem Spieler oder Trainer auch mal Fehler“, sagte Volker Roth, „insgesamt darf das jedoch nicht dazu führen, dass Unparteiische beschimpft oder gar bedroht werden.“ Ein Bundesliga-Streik sei jedoch nur das letzte Mittel, um ein deutliches Zeichen gegen aktuelle Entwicklungen zu setzen.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen Trainer José Mourinho vom FC Chelsea. „Leute wie Mourinho sind die Feinde des Fußballs“, sagte der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Roth der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“. Es seien Trainer wie Mourinho, die Menschen zu Morddrohungen veranlassen würden, sagte Roth. Der 42-jährige Frisk hatte aufgrund derartiger Drohungen seine Karriere am Freitag völlig überraschend für beendet erklärt.

Der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) schließt härtere Sanktionen gegen aufmüpfige Trainer nicht aus. „Bisher haben wir uns oft geärgert über die respektlosen Aussagen von Trainern gegenüber Schiedsrichtern“, sagte Lennart Johannson dem „Kicker“, „künftig müssen wir sie vielleicht längere Zeit sperren, um die Referees zu schützen.“ Die Europäische Fußball-Union will den zurückgetretenen Schiedsrichter Anders Frisk zu einer Rückkehr auf die Fußball-Bühne überreden. Am Donnerstag trifft sich die Schiedsrichter-Kommission der Uefa in Oslo.

„Wenn die Dinge eskalieren und Millimeter-Entscheidungen, die erst in der dritten Zeitlupe wahrgenommen werden können, überzogene Reaktionen auslösen, besteht die Möglichkeit, dass sogar die besten Schiedsrichter der Welt unvermittelt aufhören“, sagte Roth. Dabei erfüllten die Schiedsrichter ihre schwere Aufgabe durchaus selbstkritisch. Doch unfaire Reaktionen stießen bei ihnen zunehmend auf Unmut. „Der bedauerliche Rücktritt von Frisk sollte allen Fußballern und Fans deutlich machen, dass Fairplay gegen die Schiedsrichter oberstes Gebot sein sollte“, sagte Roth.

Chelseas Trainer Mourinho hatte Frisk vorgeworfen, in der Halbzeit des Champions-League-Spiels beim FC Barcelona (1:2) seinen Trainerkollegen Frank Rijkard in die Schiedsrichter-Kabine gelassen zu haben. Frisk bestreitet dies vehement. Nach der Partie am 23. Februar blieb Mourinho der Pressekonferenz fern. Der Europäische Fußball-Verband ermittelt bereits gegen den Coach.

„Es ist eine Schande, dass es dazu gekommen ist“, sagte Bo Karlsson, Vorsitzender der schwedischen Schiedsrichter. Frisks Entscheidung bedeute ein großes Versagen des ganzen Fußballs. Tsp/dpa

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