Sport : Wenn Schönheit auf Erfolg trifft

Van Marwijk soll die holländische und die deutsche Idee vom Fußball vereinen

Stefan Hermanns

Bert van Marwijk, der Trainer von Borussia Dortmund, hat im Moment so viele Probleme, dass er sich nicht auch noch um die übergeordnete nationale Sache kümmern kann. Sein Verein ist hoch verschuldet, die Mannschaft taumelt der Abstiegszone entgegen, und die Fans pöbeln gegen die Spieler. Da kann van Marwijk sich nicht darum scheren, dass er quasi in höherem Auftrag tätig ist. Er muss beweisen, dass holländische Trainer auch im deutschen Fußball erfolgreich sein können.

Wie zwei unvereinbare Prinzipien stehen sich der deutsche und der holländische Fußball gegenüber: Erfolgsorientierung auf der einen Seite, Schönheit auf der anderen. Zumindest in der Theorie ist es daher eine glänzende Idee, beides zusammenzubringen. In der Praxis aber funktioniert sie bisher nicht. Die meisten Trainer aus Holland sind in der Bundesliga gescheitert, auch große Namen wie Rinus Michels oder Aad de Mos.

Als van Marwijk die Nachfolge von Matthias Sammer antrat, hätte der Kulturbruch nicht heftiger sein können. „Beide haben total verschiedene Philosophien“, sagt Sebastian Kehl. Das zeigt sich schon im Training, in dem die Dortmunder ausschließlich mit dem Ball arbeiten. „Im Wald gewinnt man keine Spiele“, sagt van Marwijk. Der Holländer erwartet von seiner Mannschaft, dass sie agiert, nicht reagiert, dass sie den Gegner weit vorne attackiert und die Räume eng macht. Von der reinen holländischen Lehre musste sich van Marwijk jedoch schon vor der Saison verabschieden, als er erkannte, dass er nicht das passende Personal für ein 4-3-3- System hatte. Jetzt spielt er mit zwei Stürmern statt dreien, dafür besetzt er die Position im defensiven Mittelfeld doppelt. Die Auswirkungen sind bereits zu erkennen, der Erfolg jedoch ist bisher ausgeblieben. Das einzig Positive: Bert van Marwijk hat der zunehmenden „Verkollerung“ („Kicker“) Einhalt geboten, jener einfallslosen Alle-Bälle-hoch-auf-Jan-Koller-Bolzerei, mit der die Dortmunder ihr Publikum lange gequält haben.

Bert van Marwijk, 52, ist seit diesem Sommer Trainer von Borussia Dortmund. Mit Feyenoord Rotterdam gewann er 2002 den Uefa-Cup – durch ein 3:2 im Finale gegen Borussia Dortmund.

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