Sport : Wenn sich der Oberschenkel verläuft

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In unserer Serie widmen wir uns Körperstellen, die für Athleten in ihrer Sportart besondere Bedeutung haben. Heute: der Oberschenkel beim Sprint.

Als Jugendlicher hat Tobias Unger am Start oft seinen Konkurrenten auf die Beine geschaut und sich gefragt: Hat jemand größere Oberschenkel als ich und wird er damit schneller laufen? Den vergleichenden Blick hat sich der Olympiasiebte von Athen über 200 Meter inzwischen abgewöhnt. Nur ab und zu sieht er sich noch argwöhnisch um: „Es ist schon auffällig, wie schnell bei manchen die Muskeln wachsen.“

Der Oberschenkel ist das Markenzeichen der Sprinter, ihr Antrieb, aber seine gigantische Ausprägung bei einigen Sportlern auch der Grund, warum die Leichtathletik insgesamt in Verruf geraten ist. Zu viele Athleten haben ihr Muskelwachstum schon mit Doping befördert. Auf jeden Fall kümmern sich die Sprinter am meisten um ihre Oberschenkel, auch mit erlaubten Mitteln. Anfällig für Verletzungen ist vor allem die Rückseite des Oberschenkels. Denn sie hat weniger Kraft als die Vorderseite. „Dieses Ungleichgewicht wird durch das Training noch verstärkt“, sagt Dr. Uwe Wegner, Verbandsarzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Erleidet ein Athlet einen Muskelfaserriss, greift er sich vor Schmerz meist sofort hinten ans Bein.

Ursachen für Verletzungen wie Zerrungen und Muskelfaserrisse seien vor allem „die Schwäche und die schlechte Ansteuerbarkeit der Muskulatur“, sagt Wegner. Mit gezielten Übungen, etwa dem Anfersen, könne der Athlet jedoch seine Oberschenkelrückseite stärken. Außerdem gelte: Je besser die Ausdauer und die Koordinationsfähigkeit des Athleten, desto geringer ist das Verletzungsrisiko.

Obwohl die Sprinter nur geradeaus und ab der 200-Meter-Strecke einen Teil in der Kurve laufen, beeinflusst auch der Kopf das Tempo. „Wenn man nicht locker ist, verkrampft der Muskel und ist nicht mehr geschmeidig“, sagt Wegner. Am wichtigsten sei dennoch zunächst die Stärkung der Muskeln, nicht nur im Oberschenkel, sondern auch oberhalb davon. „Das Becken muss stabil sein, weil von dort viele Nerven wie der Ischias in die Beine ausstrahlen“, sagt Wegner. Eine starke Gesäßmuskulatur läuft daher besser mit den Oberschenkeln zusammen: „Wer schnell sprinten will, muss einen dicken Hintern haben.“ teu

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