Sport : Wenn Zahlen zu viel versprechen

In Spanien gibt es nicht einmal ein Arzneimittelgesetz. Wundert es denn da einen, dass der Skilangläufer Johann Mühlegg gedopt war? Mühlegg kommt zwar aus dem Allgäu, aber bei den Olympischen Spielen startete er für Spanien und sorgte für zweimal Gold und einen Eklat. Deutschland hat ein Arzneimittelgesetz, und gestern verkündete Dopingfahnder Klaus Müller bei der Jahresbilanz der Anti-Doping-Kommission, Experten wie er hätten potenzielle Sünder erfolgreich eingeschüchtert. Die verbesserte Analytik habe das Risiko eines positiven Tests erhöht, dass immer weniger Sportler im Kontrollnetz hängen bleiben. Nur 44 positive Proben wurden im Jahr 2001 in Deutschland analysiert, elf weniger als im Jahr zuvor. Steht der Sieg der Dopingfahnder kurz bevor, zumindest in Deutschland?

Natürlich ist die Analytik besser geworden, und doch versprechen Müllers Zahlen mehr, als sie halten können. Schließlich kommt es bei Proben immer darauf an, wann sie genommen werden. Nur die Dümmsten lassen sich heute noch bei Wettkämpfen erwischen. Clevere Sünder können nur bei unangemeldeten Trainingskontrollen aufgespürt werden. Solchen Kontrollen sind deutsche Top-Athleten im Durchschnitt einmal pro Jahr ausgesetzt. Wenn sie nicht gleich ganz übersehen werden, wie es zum Beispiel beim Schwimmer Jörg Hoffmann der Fall war. Der stieg nach einer monatelangen Wettkampfpause völlig ungetestet ins Wasser. Man hatte ihn nicht mehr auf der Liste.

Nahezu kontrollfrei ist ein anderer, höchst sensibler Bereich: der Nachwuchs. Die SG Essen etwa hat die besten Talente im deutschen Schwimmsport. Getestet wurde von diesen Sportlern bis vor kurzem nie einer. Und wer auf Nummer sicher geht, der greift ohnehin zu Wachstumshormonen. Die sind nicht nachweisbar. Im internationalen Schwimmen gehen Fachleute vom massiven Einsatz dieser Mittel aus.

Dopingfahnder Müller hat gestern kaum mehr gemeldet, als dass in Deutschland etwas besser kontrolliert wird als anderswo. Das ist besser als nichts, aber noch lange nicht genug.

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