Sport : Wenn zwei Stürmer kreuzen

Nach dem Vereinstausch im Winter ist Nando Rafael bei Borussia Mönchengladbach glücklich geworden, Vaclav Sverkos bei Hertha BSC dagegen nicht – heute treffen sie aufeinander

Ingo Schmidt-Tychsen,Stefan Hermanns[Mön]

Die Osterferien können Fußballprofis vor ganz neue Herausforderungen stellen. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach zum Beispiel. Es sind nur fünf Schritte vom Trainingsplatz in die exklusive Zone vor ihrem Kabinentrakt, doch auch fünf Schritte können manchmal ganz schön lang sein. Nando Rafael ist einer der Letzten, der sich an diesem Morgen aus der Masse Autogrammjäger hinter den Zaun rettet. Als er den Fans schon den Rücken zugekehrt hat, ruft jemand: „Nando, Samstag wieder zwei Tore!“ Nando Rafael hebt den Daumen.

Als Vaclav Sverkos den Trainingsplatz an der Hanns-Braun-Straße verlässt, nimmt ihn zunächst niemand wahr. Erst kurz bevor er den Bereich betritt, der den Spielern von Hertha BSC vorbehalten ist, wird er doch noch angesprochen, er muss vier Trikots unterschreiben. „Vielleicht hatte ich einfach kein Glück hier“, sagt er. Ende Januar haben Sverkos und Rafael den Verein getauscht. Rafael ging von Berlin nach Mönchengladbach, Sverkos von Mönchengladbach nach Berlin. Heute treffen sie im Borussia-Park aufeinander.

Als sie den Verein wechselten, waren beide nur noch Ersatzspieler. Beide sind 22 Jahre alt, Stürmer und U-21-Nationalspieler. Vor dem Wechsel hatte Sverkos in 70 Bundesligaspielen 17 Tore erzielt, Rafael in 70 Spielen 16 Tore. Damit enden die Gemeinsamkeiten.

„Sverki hat Pech gehabt“, sagt Borussias Kapitän Jeff Strasser. „Als er bei Hertha von Anfang an spielen durfte, ist die Mannschaft nicht so drauf gewesen, wie sie es jetzt ist.“ Von den sechs Bundesliga- und zwei Uefa-Cup-Spielen, in denen Sverkos von Beginn an auf dem Feld stand, gewann Hertha keins. Nur einmal war der Tscheche an einem Sieg beteiligt: Am 29. Spieltag gewann Hertha 2:0 in Kaiserslautern, Sverkos wurde in der 84. Minute eingewechselt, das Spiel war längst entschieden. Vor einer Woche gegen Dortmund zählte er auch, aber nicht nur wegen einer Erkältung nicht einmal zum Kader. „In einer anderen Phase der Saison wäre es möglicherweise anders gelaufen“, sagt Sverkos.

Rafaels Entwicklung in Mönchengladbach ist genau umgekehrt verlaufen. Zwar stand auch er gleich im ersten Spiel nach seinem Wechsel in Borussias Startelf, „aber das war zu früh für ihn“, sagt Strasser. „Man braucht eine Anpassungszeit.“ Neun Spiele musste Rafael, der deutsche U-21-Nationalspieler, nach seinem verkorksten Debüt warten, bis er wieder von Beginn an spielen durfte. Seitdem stand er dreimal hintereinander in der Anfangself. „Gegen Hertha wird er auf jeden Fall spielen“, sagt Borussias Trainer Horst Köppel, der zuletzt immer drei Angreifer aufbot. Rafael sagt: „Ich fühle mich wohl in diesem System.“ Ganz anders als in Berlin. „Bei Hertha war es schwer, sich zu entwickeln.“ Oft musste er sich als einziger Angreifer gegen die Verteidigung des Gegners behaupten. Das hat ihn zermürbt. In Mönchengladbach hat sich Rafael seine Sicherheit zurückgeholt. „Man merkt ihm das Selbstvertrauen an“, sagt Kapitän Strasser. Im letzten Heimspiel, beim 2:1 gegen Dortmund vor drei Wochen, schoss Rafael seine beiden ersten Tore für den neuen Klub.

Sverkos hat in elf Einsätzen für Hertha keinen einzigen Treffer erzielt. Hertha war zuletzt nicht mehr zufrieden mit seiner Trainingsleistung. „Am Anfang war er sehr bemüht, das hat dann etwas nachgelassen“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Mitte dieser Woche hatte Sverkos ein Gespräch mit Trainer Falko Götz. Heute wird er zumindest wieder auf der Bank sitzen. „Er kann in den verbleibenden vier Partien noch eine wichtige Rolle als Joker spielen“, sagt Götz.

Nando Rafael hat im Januar bei den Gladbachern einen Vertrag bis zum Sommer 2009 unterschrieben. Sverkos ist nur bis zum Saisonende ausgeliehen. „Es war von vorneherein klar, dass er nur ein halbes Jahr bleibt“, sagt Hoeneß. Eine Kaufoption enthält der Vertrag nicht. Gladbach wollte drei Millionen Euro als Ablöse festschreiben, Hoeneß lehnte ab.

Ob Sverkos überhaupt in Berlin hätte bleiben wollen, weiß er selbst nicht. „Ich habe hier viele nette Menschen kennen gelernt“, sagt er. Heimisch aber fühlt er sich in Mönchengladbach, seiner ersten Profistation in Deutschland. „Sein Zuhause ist hier“, sagt Strasser. Die Fans lieben ihn. Vielleicht bekommt Sverkos heute im Borussia-Park ein aktuelles Stadionheft in die Finger. Auf der Titelseite steht: „Hier schlägt dein Herz. Denn hier bist du zu Hause.“ Es könnte sein, dass Vaclav Sverkos sich angesprochen fühlt.

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