Sport : Wer bestimmt über den Nachwuchs?

Die Länder fürchten einen Kompetenzverlust

Friedhard Teuffel

Berlin - Die Diskussion um die Nachwuchsförderung im deutschen Sport könnte sich zu einem Grundsatzstreit ausweiten. Mehrere Landessportbünde bangen um ihre Kompetenzen und befürchten eine Zentralisierung im deutschen Sport, nachdem der neue Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Bernhard Schwank, einen Paradigmenwechsel in der Nachwuchsförderung angekündigt hat. Für die Nachwuchsförderung sind eigentlich die Landessportbünde zuständig. „Es könnte ein Kompetenzwirrwarr geben. Das haben wir von Anfang an befürchtet“, sagte Rolf Müller, der Präsident des hessischen Landessportbundes. Die Hessen hatten im Mai als einziger Landessportbund gegen die Fusion von Nationalem Olympischem Komitee und Deutschem Sportbund zum DOSB gestimmt.

Schwank hatte die Effizienz der Eliteschulen des Sports hinterfragt, eine zu frühe Spezialisierung im Nachwuchs kritisiert und erklärt, dass die deutschen Sportler von Altersstufe zu Alterstufe immer weniger Erfolge haben. Müller sagte jedoch: „Der DOSB ist viel zu weit weg, um den Nachwuchsleistungssport wirklich beurteilen zu können. Ich hoffe nicht, dass Schwank nur einen Testballon losgelassen hat.“ Der Leistungssportdirektor Schwank, ehemals Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees, hatte seinen ersten größeren öffentlichen Auftritt im Sportausschuss des Deutschen Bundestags zu einer Generalabrechnung mit der Nachwuchsförderung in Deutschland genutzt.

Entsetzt auf Schwanks Äußerungen reagierte dafür Dietrich Gerber, der für Leistungssport zuständige Vizepräsident des Berliner Landessportbundes. „Es kann nicht angehen, dass ein leitender DOSB-Angestellter gegen beschlossene Konzepte agiert und die mühevolle Aufbauarbeit auf Landesebene derart in Misskredit bringt.“ Gerber ist auch Mitglied im Präsidialausschuss Leistungssport des DOSB. Auch der sächsische Landessportbund hatte Schwanks Aussagen kritisiert und insbesondere die Leistungen der Eliteschulen verteidigt.

Ende der kommenden Woche werden sich nun die Präsidenten der Landessportbünde mit dem Präsidium des DOSB in Hamburg zu einer kurzen Tagung treffen. „Dann werden wir auch das Thema Nachwuchsförderung ansprechen“, sagte Müller.

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