Sport : Wer deutscher ist

Christian Hönicke

ahnt, warum Rafael für den DFB spielen soll und Lincoln nicht Was ist deutscher an Nando Rafael als an Lincoln? Nach drei Jahren in Deutschland soll der gebürtige Angolaner Rafael vom Fußballklub Hertha BSC nun für die U-21-Nationalmannschaft spielen, während Bundestrainer Jürgen Klinsmann den Brasilianer Lincoln von Schalke nicht in der A-Mannschaft haben will. Der 26-Jährige hätte keinen engen Bezug zu Deutschland, lautet Klinsmanns Begründung – dabei lebt Lincoln schon ein Jahr länger in Deutschland als Rafael. In Wirklichkeit liegen die Unterschiede in diesem Fall nicht bei den Spielern, sondern bei den Trainern.

U-21-Coach Dieter Eilts macht nur, was ein guter Nachwuchstrainer tun muss: Er durchsucht die Vereine konsequent nach Talenten, die für sein Team in Frage kommen. Das ist auch Teil seines Jobs. Er will sich die Dienste hoffnungsvoller Talente sichern, deren sportliche Nationalität noch nicht hundertprozentig geklärt ist. Denn wenn sie erst einmal für die U21 gespielt haben, können sie nicht mehr für ein anderes Land auflaufen.

Jürgen Klinsmann verfolgt eine ganz andere Aufgabe. Sein Ziel ist die WM im kommenden Jahr, darauf schwört er Mannschaft und Umfeld ein. Klinsmann hat eine Aufbruchsstimmung geschaffen, er hat unerfahrenen Talenten Spielpraxis und den Glauben an ihre eigene Leistungsstärke gegeben. Wenn er ihnen jetzt den erstbesten Brasilianer vor die Nase setzen würde, der sich ihm anbietet, hätte dies nicht gerade eine stimmungsfördernde Wirkung. Kurzfristig würde Klinsmann damit vielleicht eine sportliche Aufwertung seines Teams herbeiführen können. Langfristig gesehen aber würde der Fußball-Ideologe Klinsmann seine Glaubwürdigkeit verlieren – vor allem bei seinen Spielern. Man könnte es so sehen: Wäre Lincoln fünf Jahre jünger, würde er wohl demnächst im DFB-Trikot auflaufen.

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