Sport : Wer die Gäule füttert

Christian Hönicke

über die Abzockermentalität bei Fußballern Unlängst sorgte Bundeskanzler Schröder für Aufsehen, als er den Deutschen eine „Mitnahmementalität“ bescheinigte. Damit meinte er wohl vor allem gut bezahlte Angestellte, die sich eine Sozialwohnung im Regierungsviertel erschleichen. Fußballspieler jedenfalls erwähnte er nicht explizit. Das holt jetzt Dieter Hoeneß nach. Der Manager des Bundesligisten Hertha BSC beklagte in der „Sport- Bild“ eine „Abzockermentalität“ bei Kickern. Spieler, die das Training verschlafen oder häufiger in Werbespots zu sehen sind als im Stadion, dürfen sich angesprochen fühlen. Es müsse sich „unser Leistungsverständnis und Wertesystem in allen Bereichen verändern, besonders im Fußball“. Oder, um es mit Cottbus’ Trainer Eduard Geyer zu sagen: „Ein fetter Gaul rennt nicht gern.“

Vergessen dürfen Hoeneß und Geyer bei ihren richtigen Bemerkungen aber nicht, dass zum Abzocken immer zwei gehören: einer, der abzockt, und einer, der sich abzocken lässt. Es war Hoeneß’ Bruder Uli, der Nationalspieler Sebastian Deisler mit einem 20-Millionen-Mark- Scheck von Hertha BSC zu Bayern München lockte, es waren die Verantwortlichen von Borussia Dortmund, die Spieler mit fast schon unmoralischen Summen zu Vertragsunterschriften nötigten, und es war Schalkes Rudi Assauer, der trotz finanzieller Probleme halb Bremen leerkaufte. Jean-Paul Sartre hat einmal gesagt: „Beim Fußball verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit des Gegners.“ Heute müsste man wohl hinzufügen: und die des Geldes. Der Gaul jedenfalls ist sicher nicht von allein fett geworden – er wurde ordentlich gefüttert.

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