Sport : Wer es glaubt

Armin Lehmann

freut sich über den neuen Realitätsmut Jürgen Klinsmanns Aberglaube ist hartnäckig, hilft aber nie auf Dauer. Trainer Peter Neururer wollte einst in Bochum nicht mehr zum Friseur gehen, um die Erfolgsserie seines Teams nicht zu gefährden. Udo Lattek trug als Sportdirektor in Köln ständig einen scheußlichen blauen Pullover, und Klaus Toppmöller malträtierte jedes Modebewusstsein in Leverkusen mit einem Schlips, den ein Klavier-Muster verunstaltete.

Jürgen Klinsmanns Aberglaube beruhte auf einer Art statistischen Relevanz. Der Bundestrainer wollte deshalb als Gastgeber das Eröffnungsspiel zur WM 2006 nicht austragen, weil er sich die Ergebnisse genau angeschaut hat. Dreimal ist der Gastgeber schon Weltmeister geworden, wenn nicht er selbst, sondern der amtierende Titelträger zuerst auflief. Deutschland gewann 1974, als Brasilien das Eröffnungsspiel als Weltmeister bestritt, Argentinien siegte 1978 im eigenen Land, als Deutschland die Auftaktpartie bestritt, und Frankreich triumphierte 1998 in Paris, als wiederum Brasilien sich zum Auftakt quälen musste.

Fifa-Präsident Joseph Blatter mag solche Theorien nicht, er muss ja auch neutral sein. Auf seinen Druck hin wird – entgegen Klinsmanns ursprünglichem Plan – nun 2006 erstmals seit 1966 wieder ein Gastgeber das Eröffnungsspiel bestreiten. Und Klinsmann soll angesichts gescheiterter Frisuren, Krawatten und Hemden doch froh sein über diese rechtzeitige Bekehrung zu mehr Realität. Gleich am Anfang spielen zu müssen, passt ohnehin besser zu seinem mutigen Ziel: Weltmeister werden.

Zur Not, sollten Deutschlands Kicker doch Aberglaube brauchen, kann die „Bild“ ja einen ihrer berüchtigten Glückspfennige im Münchner Rasen vergraben.

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