Sport : Wer feiert schon gern allein

Hertha denkt ans Finale statt an Marcelinho

Michael Rosentritt

Berlin - Als gestern ein bisher weitgehend unbekannter Herr am Rande des Trainingsplatzes in die Saiten griff, um Herthas Spielmacher Marcelinho ein Geburtstagsständchen in gebrochenem Deutsch darzubieten, blieb sein Wunsch, alle anderen ringsum mögen fröhlich mit einstimmen, unerfüllt. Zwei, drei Figuren im direkten Umfeld des lustigen Musikanten bewegten zaghaft die Lippen. Das war’s. Was interessieren individuelle Feierlichkeiten, wenn es um das Große und Ganze geht. Kommenden Samstag will der Berliner Bundesligist Hertha BSC im Olympiastadion die Mannschaft von Hannover 96 schlagen und mit den Zuschauern ein rauschendes Saisonfinale begehen. „Wir haben ein großes Finale und können das i-Tüpfelchen noch setzen“, sagt Trainer Falko Götz. International ist Hertha auf jeden Fall dabei, aber mit einem Sieg über die Niedersachsen kann noch der ganz große Wurf, sprich die Teilnahme an der Champions League, gelingen. Vorausgesetzt, Stuttgart oder Schalke patzt.

Es sind die Nebensächlichkeiten, an denen sich erkennen lässt, dass es Hertha noch einmal sehr ernst ist. So bekam Marcelinho an seinem 30. Geburtstag im Training einen Schlag auf den Spann. 25 Profis standen auf dem Platz – „und das vor dem letzten Spiel am Ende einer langen Saison, das ist unglaublich“, sagte Götz. Für den Trainer ist es ein weiterer Beleg dafür, dass seine Spieler heiß sind, „dass sie noch einmal alles geben wollen“. Falko Götz wird seine Wunschformation auf den Rasen schicken können, niemand aus dem Stammkader ist verletzt oder gesperrt. „Dass wir die individuelle Klasse haben, um Hannover zu schlagen“, stehe für ihn außer Frage. Das Restrisiko bleibt der Kopf. Nicht, dass es der Mannschaft am Willen fehle, die Frage ist, wie sie ins Spiel kommt. Gegen Rostock und Mönchengladbach offenbarte die Mannschaft in diesem weichen Bereich Mängel.

Daher ließ es sich auch Dieter Hoeneß nicht nehmen, in der Kabine aufzukreuzen. Der Manager schüttelte dem Geburtstagskind rasch die Hand, vor allem aber forderte er von der Mannschaft „volle Konzentration“ auf das anstehende Spiel. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl“, sagte Hoeneß. Bayern würde gegen Stuttgart nicht verlieren. „Ich bin optimistisch, ja fast sicher, dass wir am Ende noch Dritter werden.“ Ins Kalkül des Managers passt, dass die Bayern sich vor dem Pokalfinale in gut einer Woche keinen Spannungsabfall leisten können. „Wir aber auch nicht“, sagte Götz. Gesungen wird später.

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