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Wer folgt Wolfgang Niersbach nach? : DFB will neuen Präsidenten noch vor der EM 2016

Rainer Koch und Reinhard Grindel gelten als aussichtsreiche Kandidaten für den DFB-Chefposten. Reinhard Rauball kommt dagegen nur als Übergangslösung in Frage.

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Rainer Koch, Reinhard Rauball und Reinhard Grindel (v.l.)
Rainer Koch, Reinhard Rauball und Reinhard Grindel (v.l.)Foto: imago/Jan Huebner

Martin Winterkorn wäre einer. Im Ernst, der Name des einst mächtigen VW-Vorstandsvorsitzenden geisterte als möglicher Nachfolger für Wolfgang Niersbach über die Flure des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt am Main. Das war noch im September, VW und der DFB strahlten noch als starke deutsche Marken. Niersbach galt vielen als einer derjenigen, der den skandal-umwitterten Fifa-Boss Joseph Blatter ablösen könnte. Nun, die Dinge sind anders gekommen. Während VW zumindest einen Nachfolger für seinen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden gefunden hat, fängt beim DFB die Suche erst an.

Seit dem Rücktritt Niersbachs als DFB-Präsident führen Reinhard Rauball und Rainer Koch die Geschäfte. Rauball, 68 Jahre alt, war als Chef der Deutschen Fußball-Liga ebenso erster Vizepräsident wie Koch (56) als höchster Vertreter der fünf Regional- und 21 Landesvertreter des Verbandes. Die beiden Juristen sind gut beleumundet, Rauball dürften nun die repräsentativen Aufgaben zufallen, Koch wird sich zusammen mit Generalsekretär Helmut Sandrock um die verbandsinterne Führung kümmern.

Einen konkreten Zeitplan für eine Neuwahl gibt es derzeit nicht. Am Rande der anstehenden Länderspiele wollen Rauball, Koch und Sandrock mit DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel die nächste Schritte festlegen. Für eine Neuwahl müsste ein außerordentlicher DFB-Bundestag beantragt werden. Innerhalb von dann neun Wochen müsste das höchste Verbandsgremium zusammentreten. Der nächste ordentliche Bundestag ist für November 2016 geplant. Doch Rainer Koch machte gestern deutlich, dass man spätestens bis zur EM im kommenden Sommer die Verhältnisse geklärt haben will.

Reinhard Rauball, der seit 2004 zum dritten Mal Präsident von Borussia Dortmund ist und als Ligachef im DFB-Präsidium hauptsächlich die Interessen des Profifußballs vertritt, kommt schon wegen der Altersgrenze für eine längere Amtszeit nicht infrage. Koch, der als Richter am Oberlandesgericht München tätig ist, schon. Zudem hat er sich im Manipulationsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer als Vorsitzender des DFB-Sportgerichts einen Namen gemacht. Kochs größter Vorteil ist, dass er als durchsetzungsstark und im Sommermärchen-Skandal als unbelastet gilt, da er erst 2007 ins DFB-Präsidium aufrückte. Allerdings drängt es ihn nicht ins Amt, da er als Landeschef Bayerns und als Präsident des süddeutschen Regionalverbandes genug Arbeit und Einfluss hat. Ob er sich bei einem DFB-Bundestag als Präsidentschaftskandidat stellen würde, ließ er offen. „Ich habe Interesse daran, dass wir den Sachverhalt lückenlos aufklären. Ich habe Interesse daran, dass der DFB weiter reibungslos funktioniert. Ich habe Interesse daran, gemeinsam mit Reinhard Rauball die Dinge geordnet zu regeln“, sagte Koch am Dienstag am Rande eines Diskussionsforums des Bayerischen Rundfunks.

Konkurrenz könnte Koch von Grindel erhalten, der von einigen Landeschefs in Stellung gebracht werden könnte, da er ihre Interessen mit im Auge hat. Der 54- Jährige ist seit 2013 als Schatzmeister des DFB tätig und sitzt für die CDU im Sportausschuss des Deutschen Bundestags. Ob er sich dann aber in einer Stichwahl gegen einen möglichen Vertreter des Profifußballs durchsetzen könnte, bleibt fraglich. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, der immer wieder genannt wird, sagte gestern, dass das Präsidentenamt „kein Thema“ für ihn sei. „Wir haben uns auf die EM vorzubereiten und mit der DFB-Akademie ein Jahrhundertaufgabe“, die er mit Leidenschaft erfüllen wolle.

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