Sport : Wer glaubt, gewinnt

Die Eisbären siegen 4:2 in der DEL gegen Iserlohn

Claus Vetter

Berlin - In dem Moment, in dem Florian Keller hätte jubeln können, da blieben seine Arme unten. Der Stürmer des EHC Eisbären hatte gerade das 3:2 erzielt, das vorentscheidende Tor zum gestrigen 4:2 (1:1, 1:0, 2:1)-Erfolg der Berliner gegen die Iserlohn Roosters. Keller drehte ab, fuhr Richtung Auswechselbank. „Der Frust der vergangenen Wochen, der saß noch zu tief“, erzählte der Stürmer später. Seit dem ersten Spieltag hatte er nicht mehr getroffen, wurde von Trainer Pierre Pagé sogar in die vierte Reihe degradiert. Gestern hatte Keller dann trotzdem seinen großen Moment. Dass die Schar der Schulterklopfer danach bei den Eisbären groß war, erstaunte ihn nicht. „So ist das im Sport: Gestern bist du der Depp, morgen bist du der Held.“

Heroisch war es insgesamt nicht, was die Eisbären vor 4000 Zuschauern im Sportforum gegen den Tabellenvorletzten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) boten. Das sehenswerte Tor von Keller war einer der wenigen Höhepunkte in einem durchschnittlichen Spiel. Und der Treffer war zu einem Zeitpunkt gefallen, als sich der wacker kämpfende Gegner im letzten Drittel gerade über das nicht mal unverdiente 2:2 durch Intranuovo gefreut hatte.

Im ersten Drittel liefen die Eisbären sogar früh einem Rückstand hinterher, nachdem Matt Higgins die Berliner Desorientierung zum 1:0 für Iserlohn genutzt hatte. Wer weiß, hätte Stefan Ustorf mit einem platzierten Distanzschuss nicht in der 10. Minute das 1:1 erzielt, das Spiel hätte auch einen unschönen Verlauf für die Berliner nehmen können. Es war das Glück der Eisbären, dass Spieler wie Steve Walker oder eben Ustorf, die gestern im kämpferischen Bereich wieder einmal überzeugten. Sie demonstrierten Siegeswillen. Bei Ustorf durfte dies besonders erstaunen – schließlich spielte er mit einer leichten Verletzung im Hüftbereich. Auch Kelly Fairchild zeigte sich gegen Iserlohn von seiner besseren Seite. Der Amerikaner schoss nach einem Konter im zweiten Drittel das 2:1 für die Berliner. Gegen Ende des Spiels durfte sich dann auch noch Verteidiger Rob Leask über ein Tor freuen.

Nach den Niederlagen gegen Nürnberg am vergangenen Sonntag und am Freitag in Wolfsburg war der Sieg natürlich für Pagé „sehr wichtig“. Euphorisch war der Berliner Trainer aber nicht, dazu offenbarten sich noch zu viele Schwächen im Spiel seiner Mannschaft, „besonders in Unterzahl“, fand er. „Zum Glück haben wir jetzt fünf spielfreie Tage.“ Nun habe er Zeit, um manches neu zu formieren: Und dann kommt am Dienstag Erik Cole nach Berlin. Von dem US-Amerikaner, der wegen der Spielpause in der National Hockey League bis Saisonende in Berlin unterschrieben hat, erhofft sich Pagé viel. „Der ist nicht nur technisch gut, sondern auch robust.“ Und er jubelt auch nach einem Torerfolg.

Dass er es mit dem Torjubel gestern nichts so hatte, fand übrigens selbst Florian Keller im Nachhinein komisch. „Es läuft jetzt von Spiel zu Spiel bei mir besser“, sagte er. „und natürlich habe ich über mein Tor gefreut.“

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