Sport : Wer hat Lautern ruiniert?

Jahreshauptversammlung muss unangenehme Fragen klären

Oliver Trust

Kaiserslautern. Die Polizei wird in dieser Nacht mehr Beamte als sonst in den Bereitschaftsdienst schicken. Rund um die Barbarossahalle an der Ludwig-Thoma-Straße in Kaiserslautern werden die Polizisten am Dienstagabend Präsenz zeigen. Die Furcht in der Pfalz ist groß, dass die Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern eskaliert, wenn ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden muss und die hitzige Debatte um die Vergangenheit beginnt. „Wir haben alles getan, damit alles ordentlich ablaufen kann“, sagte der designierte Vorsitzende René Jäggi. „Ich hoffe auf die Vernunft der Mitglieder.“

Vorwürfe und persönliche Anfeindungen stehen im Raum. Der Aufsichtsrat des Fußballklubs kämpft gegen den alten Vorstand um den Ex-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich, den Ex-Aufsichtsratschef Robert Wieschemann und Ex-Geschäftsführer Gerhard Herzog. Der alte Vorstand gegen den Notvorstand Jäggi und gegen die kreditgebenden Banken. In der tiefsten Krise des Klubs ist von einem vergifteten Klima die Rede. Es geht um die Frage: Wer hat den 1. FC Kaiserslautern an den Rand des Ruins gebracht? Die Mitglieder müssen auch darüber befinden, ob die alte Führung entlastet werden soll. Rund 20 Millionen Euro für den Stadionumbau sowie ein erwarteter Verlust von 9,4 Millionen Euro stehen in den Papieren. Geleitet wird die Versammlung vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck.

Der 1. FC Kaiserslautern hatte den rund 50 Millionen Euro teuren Stadionumbau der WM-Arena Fritz-Walter-Stadion ohne gültige Kreditverträge begonnen. Um das Bauunternehmen Philip Holzmann zu bezahlen, mussten aber fünf Millionen Euro aus dem Haushalt abgezogen werden. Holzmann hatte mit Baustopp gedroht. Die Pfälzer mussten daraufhin die Transferrechte an Nationalspieler Miroslav Klose für fünf Millionen Euro verpfänden, um nicht zahlungsunfähig zu sein.

Der amtierende Aufsichtsrat fühlt sich von Wieschemann und Friedrich „hinters Licht geführt“ und will nicht über alle Zahlungen und Zusatzverträge mit Spielern informiert gewesen sein. Das beteiligte Bankenkonsortium warf der alten Führung vor allem krasse Misswirtschaft im Transferbereich vor. Es seien hohe Summen an Berater geflossen, wobei der größte Anteil an Roger Wittmann gegangen sei, von dem acht Spieler im FCK Kader stehen. Nur dies habe den Klub in die schwierige Lage gebracht. Erst Jäggi habe alle Zahlen offen präsentiert.

Wie die Banken stieß auch Jäggi auf neue Details in den Büchern. So auch im Fall des Profis Taribo West. „400 000 Mark Provision für den Spielervermittler Basilevic, 150 000 Mark für Fahrian. Weil der die Telefonnummer kannte“, berichtet Jäggi. Ciriaco Sforza hatte einen Zusatzvertrag als Sportdirektor erhalten, aus dem sich der FCK nur mit einer Million Euro freikaufen kann. West erhielt neben seinem Lizenzspielervertrag 1,5 Millionen Mark für Persönlichkeitsrechte, die an eine Firma in Italien flossen. Darüber, so beklagten sich die Aufsichtsratsmitglieder, sei man nicht informiert worden.

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