Sport : Wer ist Herr im Haus?

Angeblich hat Dortmunds Großaktionär Homm den Rücktritt von Geschäftsführer Niebaum durchgesetzt

Felix Meininghaus[Dortm]

Gerd Niebaum ist schon immer als blendender Rhetoriker bekannt gewesen. Gestern jedoch schien ihm alles etwas viel geworden zu sein. Da schickte der Präsident von Borussia Dortmund lieber eine Pressemitteilung raus. Es ging um den Einfluss des neuen Großaktionärs Florian Homm. Der soll beim Zukauf von Aktien Niebaums Rücktritt durchgesetzt haben. In der Pressemitteilung der Dortmunder hieß es, Homm bestätige, die „Zeichnung von neuen Aktien sei ohne Bedingungen erfolgt“. Niebaum selbst sagte, diesem Statement sei „nichts hinzuzufügen. Wir haben mit Herrn Homm konstruktive Gespräche geführt und dabei festgestellt, dass wir die gleiche Zielsetzung haben.“

Sein rhetorisches Geschick hatte Niebaum dafür am Freitag gezeigt, als er bei der Bilanzpressekonferenz des einzigen an der Börse notierten Fußballklubs der Republik auftrat. Der promovierte Jurist, Spezialist für Wirtschaftsrecht, hat dabei nicht nur die Horrorzahlen verkündet, die dem von ihm geführten Unternehmen für das abgelaufene Bilanzjahr einen Konzernverlust von 67,7 Millionen Euro bescheinigen, was die Verbindlichkeiten von Borussia Dortmund auf 118,8 Millionen Euro hochschnellen lässt. Niebaum hatte auch gute Neuigkeiten: Die am 16. September verkündete Kapitalerhöhung sei vollständig gezeichnet, was 24,3 Millionen Euro in die leeren Kassen spült. Niebaum sprach von einer Trendwende. „Kapital ist wie ein scheues Reh, es flüchtet schnell. Zu uns kommt es.“

Doch wenig später wurde ruchbar, dass diese Kapitalerhöhung eben teuer erkauft worden sein könnte. Gestern berichteten die „Süddeutsche Zeitung“, der „Kicker“ und die „Ruhr-Nachrichten“ übereinstimmend, ihnen liege ein Papier vor, in dem sich Homm von Niebaum bestimmte Dinge zusichern lasse. Homm allein soll rund 80 Prozent der neuen Aktien gezeichnet haben, mit deren Hilfe „fresh money“ (Niebaum) in die leeren Kassen der Dortmunder kommt. An seine Investitionen soll „Borussias neuer Boss“ („Ruhr-Nachrichten“) eindeutige Forderungen gestellt haben.

Im Detail: Niebaum müsse zum Ende seiner Amtsperiode im Dezember 2006 als Geschäftsführer der BVB KGaA zurücktreten und dürfe nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Zudem diktiere Homm im besagten Papier die Inthronisierung eines dritten Geschäftsführers neben Niebaum und BVB-Manager Michael Meier. Der neue Mann müsse mit allen Befugnissen in den Bereichen Finanzen und Controlling ausgestattet werden. Meier wollte die Existenz des Papiers nicht bestreiten, sagte jedoch, er gebe dazu „keinen Kommentar ab“.

Homm, der in Börsenkreisen als knallharter Geschäftsmann bekannt ist und sich selbst als „Straight Shooter“ bezeichnet, hatte schon vor der Bilanzpressekonferenz im „Spiegel“ klar gemacht, dass er Einfluss auf die Machtverhältnisse beim BVB zu nehmen gedenke: „Sollte das Management den BVB nicht erfolgreich auf eine solidere Basis stellen, wird es durch fähigere Personen ersetzt werden.“

Homm selbst bestritt gestern überraschend, dass das Papier von ihm stamme. So viel steht fest: Sollten „SZ“, „Kicker“ und „Ruhr-Nachrichten“ mit ihrer Berichterstattung richtig liegen, würde es das Ende der Ära Niebaum bedeuten. Der Präsident wäre bis zum Ende seiner Amtszeit nicht mehr Herr im Haus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar